Profis | 13.09.2019

Interview im GeißbockEcho

Birger Verstraete: Der gute Junge

Birger Verstraete wechselte im Sommer erstmals zu einem Verein außerhalb seines Heimatlandes. Dass Ostende von Köln aus relativ schnell erreichbar ist, war neben der sportlichen Perspektive ein ­zusätzliches Argument für seine Unterschrift beim 1. FC Köln. Der 25-jährige Belgier ist heimatverbunden, ein Familienmensch und möchte den Derby-Wunsch eines unbekannten FC-Fans erfüllen.

Birger, du hast erst mit 15 Jahren deinen Heimat­verein KV Ostende verlassen. Relativ spät für heutige Verhältnisse. Hat es nicht schon vorher Angebote größerer Vereine gegeben?
Ja, die gab es. Aber meine Eltern waren anfangs da­gegen, dass ich schon so jung zu einem anderen Club gehe. Sie waren realistisch und haben gesehen, dass viele Kinder, die früh zu einem großen Club gegangen waren, nur wenige Jahre später wieder zurückge­kommen sind und dann entsprechend enttäuscht ­waren. Sie haben mir gesagt, dass ich bis zum 15. Geburtstag warten soll. Wenn ich dann immer noch gut genug wäre, würden die Clubs noch immer Interesse an mir haben.

Warst du mit dieser Entscheidung einverstanden?
Absolut. Ich war und bin gerne zu Hause. Damals war es mir wichtig, in der Nähe meiner Familie und meiner Freunde zu bleiben. Daher war die Entscheidung auch in meinem Sinne. Wir haben in Ostende auf ordentlichem Niveau Fußball gespielt, zudem bestand die Mannschaft aus meinen Freunden. Das hat meiner Entwicklung nicht geschadet. Später einmal sagen zu können: ‚Ich habe schon mit zehn Jahren bei einem großen belgischen Club gespielt‘, war mir nicht wichtig.

Wie kam es dann schließlich zu deinem Wechsel in der Jugend?
Ich habe schon einige Jahre vorher angefangen, immer einen Jahrgang höher zu spielen – daher war eine ­gewisse Entwicklung absehbar. Die meisten jungen Talente wechseln in Belgien dann zum RSC Anderlecht. Dort hätte ich bei einer Gastfamilie gelebt. Ich habe mich aber für diesen Schritt noch nicht bereit gefühlt. Also haben wir uns im letzten Moment dagegen ­entschieden und ich bin zum FC Brügge gewechselt. Brügge ist nur 20 Kilometer von Ostende entfernt – so konnte ich zu Hause wohnen bleiben. Außerdem hat der FC Brügge eine Kooperation mit einer Top-Schule, in der der Stundenplan mit den Trainingseinheiten abgestimmt war. Ich bin meistens mit einem Freund aus Ostende, mit dem Zug gependelt. Er war zwar zwei Jahre älter, aber spielte auch beim FC Brügge und ging zur selben Schule. Morgens habe ich um 7 Uhr das Haus verlassen und war oft erst um 22 Uhr zurück. Das waren lange Tage.

Hast du in dieser Phase jemals gezweifelt, ob sich der Aufwand lohnt?
Nein, niemals. Im Gegensatz zur Schule war Fußball genau mein Ding (lacht).

Du bist ein Familienmensch. Die Tattoos auf deinen Beinen mit Porträts deiner Großmutter und Mutter verdeutlichen dies.
Ja, das stimmt. Familie bedeutet mir alles. Meine Eltern waren aber überhaupt keine Fans von Tattoos. Ich hatte eine besondere Verbindung zu meiner Oma – sie hat mich immer unterstützt und in meinen Träumen ­bestärkt. Außerdem hat sie mich oft mit dem Auto überall hingefahren. Für sie war ich immer der gute Junge. Auch wenn ich mich mal nicht korrekt verhalten habe, hat sie immer zu mir gehalten. Meine Groß­mutter hat vorhergesagt, dass ich mal Fußballprofi werde. Ich habe natürlich immer gehofft, dass ihre Prophezeiung wahr wird und sie irgendwann mal bei einem Profi-Spiel dabei sein wird. Leider ist sie schon vorher gestorben. Aber im Herzen ist sie immer bei mir – auch auf dem Platz.

Wenn du die Wahl hättest, ein Profi-Fußballer oder ein professioneller Jockey zu sein, wofür würdest du dich entscheiden?
Immer noch für den Fußball. Aber es stimmt, ich war schon als Kind verrückt nach Pferden. Wenn auf einem Bauernhof in der Nähe Tiere waren, waren mir die Kühe, Hühner oder Schweine immer egal. Mich haben Pferde einfach begeistert. Dabei hatte ich als Kind auch vor vielem Angst, aber nie vor Pferden. Später bin ich mit meinem Stiefvater zu Pferderennen gegangen. Irgendwann hatte ich die Gelegenheit, mich mal auf ein Pferd zu setzen. Spätestens dann war die Faszination da. Meine Eltern haben ein Pferd gekauft und zwei- bis dreimal pro Woche habe ich Reitunterricht genommen. Da wir direkt am Strand wohnen, konnte ich dort am Wochenende super Ausritte ­machen.

Wenn man direkt am Meer wohnt, könnte man ja auch andere Berufe anstreben als Profifußballer.
Aber ich mag keinen Fisch (lacht). Das ist sicher ­un­gewöhnlich dafür, dass ich direkt am Meer auf­gewachsen bin.

Das komplette Interview mit Birger Verstraete gibt es hier oder in der GeißbockEcho-App für Apple und Android.

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PL. Verein Pkt.
14 1. FC Union Berlin 7
15 1. FC Köln 7
16 FC Augsburg 6

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