Profis | 24.04.2015

Deyverson im GeißbockEcho

Copa Colonia

Erst drei Monate sind vergangen, seitdem Deyverson zum FC gekommen ist. Doch schon jetzt fühlt sich der Brasilianer in Köln wie zu Hause.

Der Anruf kam abends um acht. Er sollte das Leben von Deyverson nachhaltig verändern. „Ich habe eine Überraschung für dich“, sagte der Talentscout am anderen Ende der Leitung. „Du fliegst für zwei Wochen nach Lissabon, zum Probetraining bei Benfica.“ – „Wann?“ – „Morgen.“

Drei Jahre ist dieses Telefonat jetzt her. Seitdem weiß Deyverson, dass es im Leben manchmal schnell geht, und im Fußball ganz besonders. Dass es nicht nur vor dem gegnerischen Tor Momente gibt, in denen man nicht zögern sollte. Deshalb hat er nicht lange überlegt, als ihn der 1. FC Köln im Januar dieses Jahres ausleihen wollte, kurz vor Ablauf der Wechselfrist. Er hat sich einfach darauf eingelassen. So wie damals, als er von einem Tag auf den anderen ganz allein zum Vorspielen auf einen fremden Kontinent geschickt wurde – obwohl er erst 20 und noch nie im Ausland war, geschweige denn in einem Flugzeug.

„Als ich am nächsten Tag im Flieger saß, ist mir klar geworden, dass das Probetraining die Chance meines Lebens ist – und dass ich komplett auf mich allein gestellt bin“, erinnert sich Deyverson. „Ich musste weinen. Vor Freude, aber auch aus Angst, es zu vermasseln.“ Seit er klein war, hatte er davon geträumt, als Fußballer den Sprung nach Europa zu schaffen. So wie jeder Junge in Cosmos, dem Viertel am Westrand von Rio de Janeiro, in dem Deyverson Brum Silva Acosta aufgewachsen ist.

Hoffnungsträger der Familie

Cosmos ist zwar keine Favela, aber eher arm als reich. Deyversons Vater arbeitet als Trainer im Amateurfußball, die Mutter ist Hausfrau. Die drei Söhne verbringen einen Großteil ihrer Kindheit auf den sandigen Bolzplätzen in der Nachbarschaft, vom Vater angeleitet. Anderson, der älteste der drei Söhne, schafft es, als Torwart seinen Lebensunterhalt zu verdienen und tingelt in den brasilianischen Regionalmeisterschaften von Club zu Club. Der mittlere, Leandro, lässt es irgendwann sein mit dem Fußball und geht zum Militär. So ruhen die Hoffnungen der Familie auf dem jüngsten Sohn. Auf Deyverson. Der ehrgeizige Schlaks mit dem guten Torriecher soll es als Fußballer zu Wohlstand bringen. Er stürmt für Gremio Mangaratibense in der zweiten Regionalmeisterschaftsliga von Rio, als die Einladung nach Lissabon kommt.

Am ersten Tag bei Benfica ist ein Athletiktraining angesetzt. Der zehnstündige Flug über den Atlantik steckt Deyverson noch in den Knochen, doch das Adrenalin lässt ihn Müdigkeit und Zeitunterschied vergessen. Von Tag zu Tag fühlt er sich besser, die anderen Spieler sind freundlich und bei der Eingewöhnung hilft, dass Brasilianer und Portugiesen dieselbe Sprache sprechen. Für den Abschluss der beiden Probewochen ist ein Freundschaftsspiel angesetzt. Benfica gewinnt 2:1. Zweifacher Torschütze: Deyverson. Am nächsten Tag bietet ihm Benfica einen Vertrag an. Nach der Unterschrift ruft er sofort seine Mutter an: „Hey Mama, ich habe es geschafft!“

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12VfB Stuttgart0
121. FC Köln0
141. FSV Mainz 050