Nachwuchs | 14.12.2020

U17-Trainer Martin Heck

„Der Wille der Jungs bestimmt den Weg“

Gegen den VfL Wolfsburg und Mainz 05 lief der 1. FC Köln mit der jüngsten FC-Startelf seit 53 Jahren auf. U17-Trainer Martin Heck sprach mit fc.de über die Durchlässigkeit zwischen Nachwuchs und Profis und gab Einblicke, was für Charaktere die Bundesligadebütanten sind.

Martin Heck, in der B-Junioren-Bundesliga ruht der Spielbetrieb wegen der Corona-Pandemie bis ins neue Jahr. Wie geht es deinen Spielern?

Gut, aber natürlich vermissen die Jungs die Spiele und sich mit anderen Topteams zu messen. Wir können trainieren, haben aber durch die Hygieneauflagen erschwerte Bedingungen. Wir nutzen keine Kabinen, kommen direkt zum Training und fahren im Anschluss wieder nach Hause. Die Zeit mit den Jungs ist begrenzt und wir halten neben dem Platz Abstände ein, um die Risiken für eine Ansteckung zu minimieren. Wie in allen Bereichen der Gesellschaft ist die Corona-Pandemie auch für uns Trainer im Nachwuchs eine Herausforderung. Wir möchten den Jungs trotzdem viel mit auf den Weg geben. Man kann noch so gut trainieren, einen Wettkampf ersetzt das nicht. Und diesem Jahr gibt es keine Rückrunde, gegen alle Teams spielen wir nur einmal. Wir hoffen, dass die Liga im neuen Jahr fortgesetzt wird. Platz eins und zehn trennen nur drei Punkte. Es könnte also ein sehr spannendes Jahr werden.

In den vergangenen Jahren haben einige FC-Talente ihr Profidebüt gefeiert. Gegen Wolfsburg lief die jüngste FC-Startelf seit 53 Jahren auf. Ist das etwas, auf das man stolz sein kann?

Auf jeden Fall. Der gesamte Club kann darauf stolz sein und besonders alle, die daran mitgearbeitet haben. Die Startelf gegen Wolfsburg unterstreicht, dass der FC auf seinen Nachwuchs setzt und seinen Talenten eine Chance gibt. Wir sind froh, dass wir herausragende Nachwuchsspieler im Leistungszentrum haben und dass der Profibereich den Mut hat, sie ins Spiel zu werfen. Das ist keine Selbstverständlichkeit. Wenn ein Jan Thielmann sein erstes Profi-Tor schießt, dann ist das toll für ihn und den Club. Wenn man genau hinschaut, weiß man aber auch, dass das nicht einfach so passiert. Dahinter stecken jahrelange Arbeit und viele helfende Hände.

Was braucht man als Nachwuchsspieler, damit man es in den Profikader schafft?

Das Talent ist die Grundvoraussetzung. Aber das alleine reicht nicht. Die Einstellung muss stimmen. Die Jungs dürfen sich nicht auf ihren Fähigkeiten ausruhen, sondern müssen mehr machen als andere. Das klingt so einfach. Aber es ist nicht damit getan, ein paar Freistöße nach dem Training in den Winkel zu zirkeln. Da gehören zusätzliche Einheiten im Kraftraum dazu, oder auch mal auf dem Platz bleiben, wenn es schon dunkel und kalt ist, um an seinen Schwächen zu arbeiten. Sie müssen wissen, was sie können und was sie nicht können. Wenn sie ehrlich zu sich selbst sind, können sie besser werden. Ich finde, es ist eine wichtige Eigenschaft, wenn die Jungs immer gewinnen wollen und absoluten Ehrgeiz zeigen. Der Wille bestimmt den Weg – aber natürlich gehört auch eine Portion Glück dazu.

Mit welchen Jungs von den FC-Profis, die in den vergangenen zwei Jahren in der Bundesliga debütiert oder im Kader gestanden haben, hast du zusammengearbeitet?

Mit Salih Özcan habe ich in der U15 und U21 gearbeitet. Noah Katterbach hatte ich in der U9 und in der U16. Mit Jan Thielmann und Tim Lemperle sind wir in der U17 Deutscher Meister geworden, Robert Voloder in der U16 und in der U17. Ich bin seit 2005 beim FC, seit 2007 als Trainer. In der Zeit durfte ich viele Jungs in verschiedenen Altersstufen begleiten.

Was sind das für Charaktertypen?

Ach, ganz unterschiedlich. Aber jeder für sich ist wirklich überragend. Auf jeden von ihnen konnte ich mich als Trainer immer zu einhundert Prozent verlassen. Salih ist einfach ein herzensguter Mensch. Wenn ich ihn oder seinen Vater heute noch am Geißbockheim sehe, begrüßen sie mich, als würde ich zur Familie gehören. Jan nimmt sich viel zu Herzen, ich habe aber selten einen mannschaftsdienlicheren Spieler erlebt. Wenn du ihm sagst, er soll im Spiel alles anlaufen, was atmet, dann läuft er 90 Minuten alles an, was atmet. Er will immer gewinnen und ordnet sich komplett dem Mannschaftsgedanken unter. Wenn ich ihn mal ausgewechselt habe, war er natürlich sauer, hat aber sofort wieder umgeschaltet und den Mannschaftskameraden an der Seitenlinie die Trinkflaschen zugeworfen, wenn sie durstig waren.

Was ist mit Noah, Tim oder Sava?

Noah war schon immer wahnsinnig begabt. Neue Techniken hat er unheimlich schnell gelernt. Er war quasi ein Musterschüler, sehr intelligent, hat problemlos sein Abitur neben dem Fußball geschafft – und er hatte immer die richtige Einstellung zum Fußball. Er möchte alles spielerisch lösen und rennt nicht nur stupide die Außenbahn rauf und runter. Noah bringt das Besondere ins Spiel. Tim Lemperle ist ein emotionaler Typ und ein toller Mensch. Man musste ihm in der Vergangenheit häufig einen engeren Rahmen stecken, aber dann hat er immer abgeliefert. Er ist in den Spielen einer, der den Unterschied machen kann. Sava ist sehr fokussiert, er weiß, was er kann und lässt sich durch nichts einschüchtern, auch nicht von der Bundesligabühne.

Ist der Charakter etwas, auf den ihr großen Wert legt in der Ausbildung?

Absolut. Die Jungs sollen ihren eigenen Kopf haben, aber es gehören auch Werte dazu, die wir vermitteln und die für die Persönlichkeitsentwicklung wichtig sind. Es nutzt aber auch nichts, wenn die Werte nur an der Wand stehen, die muss man als Trainer vorleben. Mir ist es wichtig, dass die Jungs ehrlich zu sich selbst, zueinander und zu mir sind. Sie dürfen ruhig Fehler machen – aber nur wenn sie auch dazu stehen, können sie etwas daraus lernen. Ich habe auch nichts dagegen, wenn man mal dem Trainer sagt, was einem nicht gefällt. Ich bin auch nicht fehlerlos. Aber die Jungs sollen respektvoll sein und als Team ein gemeinsames Ziel verfolgen. Als wir mit der U17 im Jahr 2019 Deutscher Meister wurden, hat uns ausgezeichnet, dass wir ein absolut verschworener Haufen waren, der unheimlich Bock auf Fußball hatte. Wir haben Bayern München im Halbfinale rausgeschmissen und waren gegen ungeschlagene Dortmunder im Finale krasser Außenseiter. Kaum einer hat uns den Titel zugetraut, aber wir haben trotzdem 3:2 gewonnen. Ich denke es lag daran, weil wir es mehr wollten und nicht, weil wir mussten.

Nach dem Meistertitel folgte in der vergangenen Saison die Westdeutsche Meisterschaft für die UI19 und U17. Was ist das Geheimnis für den Erfolg?

Das liegt an vielen Faktoren, die man gar nicht alle nennen kann. Ein hervorragendes Konzept gehört dazu, die gute Scoutingabteilung und Kaderplanung, Trainer mit hoher Qualität, die viel Herzblut einbringen, die gute und individuelle Begleitung der Nachwuchskicker, die Qualität der Talente und jeder, der anpackt und stolz ist, wenn es wieder ein Nachwuchsspieler vom 1. FC Köln in die Bundesliga geschafft hat.

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