• Club | 23.09.2020

    Der 1. FC Köln gratuliert

    Dietmar Artzinger-Bolten feiert 80. Geburtstag

  • Club | 23.09.2020

    Der 1. FC Köln gratuliert

    Dietmar Artzinger-Bolten feiert 80. Geburtstag

Der fünfte Präsident der FC-Geschichte feiert am 23. September seinen 80. Geburtstag. In seiner Amtszeit erreichte der 1. FC Köln zwei Vizemeisterschaften, das Halbfinale im UEFA-Pokal und bis heute letztmals das DFB-Pokalfinale. Der 1. FC Köln gratuliert Dietmar Artzinger-Bolten herzlich zum 80. Geburtstag.

„Im Namen des gesamten 1. FC Köln gratuliere ich Dietmar Artzinger-Bolten herzlich zum 80. Geburtstag. Herr Artzinger-Bolten hat große Verdienste um den FC. Dass der Club während seiner Amtszeit um Titel mitspielte, ist nach ihm keinem FC-Präsidenten mehr vergönnt gewesen. Am damaligen Erfolg hatte die kompetente und branchenübergreifende Fachkenntnis Artzinger-Boltens sehr großen Anteil. Ich wünsche ihm von Herzen einen feierlichen Tag im Kreise der Familie und – und das ist das Wichtigste – viel Gesundheit“, sagt FC-Präsident Dr. Werner Wolf.

Rund viereinhalb Jahre war Dietmar Artzinger-Bolten Präsident des 1. FC Köln. Im April 1987 folgte er auf Peter Weiand und übergab das Amt im November 1991 an Klaus Hartmann. Es war eine national und international erfolgreiche Ära, in der der FC um Titel mitspielte.

Dietmar Artzinger-Bolten stammt aus der ostpreußischen Stadt Allenstein, dem heutigen Olsztyn in Polen. Im zweiten Weltkrieg floh die Familie 1945 vor der herannahenden roten Armee aus der Heimat und landete in Weinheim an der Bergstraße, rund 18 Kilometer nördlich von Heidelberg. Hier verbachte Dietmar Artzinger-Bolten seine Jugend, machte 1960 auf dem Gymnasium in Weinheim sein Abitur. Im selben Jahr wurde er auch Mitglied der CDU, war zuvor im Ring christdemokratischer Studenten aktiv und schaffte es bis zum stellvertretenden Bundesvorsitzenden. Anschließend begann er ein Studium der Rechtswissenschaften in Heidelberg, wechselte nach dem dritten Semester ins Rheinland und setzte das Studium in Köln und Bonn fort. Schon als Kind fußballbegeistert, war Dietmar Artzinger-Bolten Anhänger der Stuttgarter Kickers und spielte aktiv in der Schulmannschaft, mit der er sogar Schulkreismeister wurde. Während des Studiums in Köln lernte er seine spätere Ehefrau kennen. Als der erste Sohn geboren wurde, war es mit dem Sport vorbei.

Seit 1969 Rechtsanwalt

1969 trat Dietmar Artzinger-Bolten nach dem zweiten Staatsexamen als Rechtsanwalt in die Kölner Kanzlei Dr. Jacobs ein. Die von ihm geleitete Zivilkanzlei führt er bis heute fort und unterstützt die beiden anderen Anwälte der Sozietät. Neben der Tätigkeit als Jurist nehmen und nahmen Positionen und Mitgliedschaften in Verbänden, Vereinen und Ausschüssen viel Platz in seinem Leben ein. Für die CDU-Fraktion saß der Rechtsanwalt von 1975 bis 1994 im Rat der Stadt Köln, war von 1980 bis 1994 Vorsitzender des Stadtentwicklungsausschuss. In seine Amtszeit fielen unter anderem die Neugestaltung des Rathausplatzes, die Planung des Rheinauhafens, die Bebauung Sassenhof, die städtebauliche Gestaltung Heumarkt, die Planungsarbeiten für den Stadtteil Kalk, die KölnMesse und der Bahnhof Deutz. Von 1975 bis 1989 war er Mitglied des CDU-Fraktionsvorstandes. Mit dem 1. FC Köln kam er erstmals durch sein Studium in Köln in Berührung, besuchte die Spiele der damaligen Oberliga West. Noch enger wurde der Kontakt zum FC durch seine Freundschaft zum Vorsitzenden des Sportausschusses im Kölner Stadtrat, Friedel Haumann, der ein begeisterter FC-Fan war.

Juristische Vertretung von FC-Spielern

Ab Anfang der 1980er-Jahre betreute Artzinger-Bolten einige FC-Spieler anwaltlich und erhielt so noch mehr Einblicke hinter die FC-Kulissen. Aus diesem Spielerkreis resultierte letztendlich auch der Vorschlag, dass er sich als FC-Präsidentschaftskandidat zur Wahl stellen solle. Im Sommer 1986 befand sich der 1. FC Köln in einer Führungskrise. Zum 3. April 1987 verkündete FC-Präsident Peter Weiand seinen Rücktritt. Der eigentlich vorgesehene Nachfolger Dr. Bernhard Worms musste aufgrund seiner Tätigkeit als Fraktionsvorsitzender der CDU im Landtag von Nordrhein-Westfalen passen. Nun wurden etliche Kandidaten als potentielle Nachfolger gehandelt. Seine Klienten aus dem Profifußball brachten schließlich den Namen Artzinger-Bolten ins Spiel. „Das war eigentlich eine Entscheidung von zehn Sekunden. Ich wurde von Medienvertretern gefragt, ob ich denn nun kandidiere oder nicht. Und ich sagte spontan ja“, berichtet Artzinger-Bolten. Nachdem alle anderen Kandidaten abgesagt hatten, war der Weg für die „Notlösung“ frei. Am 3. April 1987 war der Kongress-Saal der Köln-Messe Schauplatz der außerordentlichen Mitgliederversammlung. Mit einer flammenden Rede begeisterte er die Mitglieder. Trotzdem wurde die Wahl relativ knapp.

235 zu 197 Stimmen

Mit 235 Ja-Stimmen zu 197 Nein-Stimmen wurde Dietmar Artzinger-Bolten zum fünften Präsidenten der FC-Geschichte gewählt. Satzungsgemäß reichte die einfache Stimmenmehrheit. Als Vizepräsidenten schlug er seinen langjährigen Bekannten Jupp Söller vor, Hans Neukirch wurde vom Verwaltungsrat vorgeschlagen. Die beiden Herren komplettierten schließlich den neuen FC-Vorstand.

Sportlich entwickelte sich der FC wieder zur bundesweiten Größe. Dem 10. Platz in der Bundesliga 1986/87 folgte der dritte Platz 1987/88. Unter Trainer Christoph Daum, der schon im Amt war bevor Artzinger-Bolten gewählt wurde, errang der FC 1989 und 1990 die deutsche Vizemeisterschaft, drang im UEFA-Pokal ins Achtelfinale (1988/89) und ins Halbfinale (1989/90) vor. An diese Zeit, vor allem mit den legendären Europapokalnächten, denkt Dietmar Artzinger-Bolten besonders gerne zurück.

Rudy war weltweit gesperrt

Artzinger-Bolten beschreibt heute beispielsweise den aufsehenerregenden Transfer des Polen Andrzej Rudy, der sich 1988 bei einem Länderspiel der Polen in Italien abgesetzt hatte, als besonderes Erlebnis seiner Präsidentschaft, ebenso wie die Rückholaktion von Pierre Littbarski aus Paris. „Wie es uns gelungen ist, mit Andrzej Rudy einen Spieler zu verpflichten, der eigentlich weder irgendwohin durfte noch für irgendwen eine Spielberechtigung besaß, also weltweit gesperrt war, das war schon unfassbar. Und auch im Fall Littbarski wurde so viel Unwahres geschrieben und gemutmaßt. Fakt ist, dass wir seinerzeit zwei Millionen Mark aufgenommen haben, um das Ganze zu realisieren, nicht mehr und nicht weniger“, berichtet Artzinger-Bolten.

In seine Ära fällt auch der berühmteste und von den meisten Sagen umwobene Transfer der FC-Historie. Im Sommer 1990 wechselte Thomas Häßler für die Rekordsumme von angeblich 17 Millionen Mark (in einigen Medien war sogar von 18 Millionen die Rede) vom 1. FC Köln zu Juventus Turin. Es folgten Gerüchte unterschiedlicher Art. „Wir haben für Thomas Häßler damals nur 14,5 Millionen Mark erlöst und nicht 18 Millionen, wie oft geschrieben wurde. Hierüber gab es unter anderem eine eidesstattliche Bestätigung des Geschäftsführers von Juventus Turin“, sagt Dietmar Artzinger-Bolten.

Dem Verkauf von Publikumsliebling Thomas Häßler folgte im Sommer 1990, während der Weltmeisterschaft in Italien, die für Fans und Öffentlichkeit völlig überraschende Entlassung des Erfolgstrainers Christoph Daum. Die Trennung von Daum verkündete der komplette FC-Vorstand um Dietmar Artzinger-Bolten, Jupp Söller, Hans Neukirch und Geschäftsführer Wolfgang Schänzler am 28. Juni 1990 im WM-Quartier der deutschen Nationalmannschaft im italienischen Erba am Comer See. Zuvor hatte man mit den vor Ort befindlichen FC-Nationalspielern Pierre Littbarski, Paul Steiner und Bodo Illgner gesprochen, die allesamt dem Mannschaftsrat angehörten, und diese um Stillschweigen gebeten. Auch Daum hielt sich zur Weltmeisterschaft in Italien auf. Unendlich viel wurde hierüber spekuliert, doch mit öffentlichen Begründungen hielt man sich auffällig zurück. Artzinger-Bolten begründete den Rauswurf seinerzeit nur mit „vielfältigen Dingen, die der Endpunkt einer langen Entwicklung gewesen seien.“  

Rücktritt 1991

Die Monate nach der Entlassung Daums waren für den damaligen FC-Vorstand um Artinger-Bolten turbulent mit teils üblen Beschimpfungen der eigenen Fans. „Die Situation wurde zur Belastung für mich, auch im Privatleben. Selbst meine damals in den USA befindlichen Kinder wurden bedroht. Für meine Frau, die nie in der Öffentlichkeit stehen wollte, war es eine noch schlimmere Situation“, so Artzinger-Bolten. Dem immer stärker werdenden öffentlichen Druck konnte Dietmar Artzinger-Bolten nicht länger standhalten. Während der Mitgliederversammlung am 21. November 1991 traten er und seine Mitstreiter Jupp Söller und Hans Neukirch von ihren Ämtern zurück. Den Rücktritt hatten sie bereits am 9. September 1991 angekündigt. Nachfolger als Präsident wurde Klaus Hartmann.

Nach seinem Ausscheiden beim FC zog sich Dietmar Artzinger-Bolten in sein privates und berufliches Umfeld zurück. Den FC verfolgt er zwar aufmerksam, aber mit Distanz. Gelegentlich besucht Dietmar Artzinger-Bolten mit seinem Enkelkind die FC-Spiele in Müngersdorf. Zu FC-Größen wie beispielsweise Karl-Heinz Thielen, Bernd Cullmann oder Wolfgang Weber bestehen noch Kontakte, mit Thielen pflegt er ein besonders gutes Verhältnis. Für seinen sozialen Einsatz, beispielsweise als Mitglied des Lions Clubs oder im Kuratorium der Kölner Philharmonie, wurde ihm am 27.November 1985 das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland verliehen. Am 8. November 2004 erhielt er das Verdienstkreuz 1. Klasse.

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Gesamttabelle
PL.VereinPkt.
15Hertha BSC3
161. FC Köln1
17FC Schalke 041