Profis | 03.02.2017

Artjoms Rudnevs im GeißbockEcho

Einer für alle

Ob von der Bank oder von Beginn an, ob bei Führung oder Rückstand: Mit seiner mannschaftsdienlichen Spielweise ist Artjoms Rudnevs beim 1. FC Köln immer eine Option.

Artjoms Rudnevs weiß noch genau, wann er erstmals von einem Angestellten des 1. FC Köln gefragt wurde, ob er sich nicht einen Wechsel nach Köln vorstellen könne. Am 3. Dezember 2013 war das. Rudnevs‘ damaliger Club, der Hamburger SV, spielte an jenem Tag im Achtelfinale des DFB-­Pokals gegen den FC. Köln sei eine tolle Stadt und der FC ein großartiger Verein, schwärmte der Mann vom FC.

Rudnevs hörte mit Interesse zu, die Schilderungen schienen ihm durchaus glaubwürdig. Den Gedanken an einen Transfer zum 1. FC Köln verfolgte er aber zunächst nicht weiter. Was daran lag, dass er damals ein langfristig gültiges Arbeitspapier beim HSV besaß. Und auch ein bisschen daran, dass der FC-Angestellte, der ihm den Wechsel nach Köln schmackhaft machen wollte, nicht über die nötigen Vollmachten verfügte, um im Namen des 1. FC Köln Geschäfte zu machen. Bei dem Mann handelte es sich nämlich um den damaligen FC-Profi Slawomir Peszko.

Peszko, seit gemeinsamen Tagen in der ersten polnischen Liga ein guter Freund von Artjoms Rudnevs, spielt mittlerweile wieder in Polen. Rudnevs hingegen ist im letzten Sommer tatsächlich zum 1. FC Köln gekommen. Als sein Vertrag beim HSV auslief, waren FC-Vertreter – diesmal mit den nötigen Verhandlungsbefugnissen – an ihn herangetreten und hatten ihn vom Wechsel nach Köln überzeugt. „Artjoms ist ein robuster Stürmer, der uns weitere Möglichkeiten im Offensivbereich gibt“, sagte Jörg Schmadtke nach der Verpflichtung. Was der FC-Geschäftsführer damit gemeint hat, war zum Beispiel am letzten Samstag zu sehen.

Drei Torbeteiligungen in 20 Minuten

Beim Auswärtsspiel in Darmstadt wurde Rudnevs in der zweiten Hälfte eingewechselt. In der 72. Minute setzte er sich im Zweikampf gegen Darmstadts Kapitän Aytac Sulu durch. Der Ball kam zu Yuya Osako, der genügend Platz hatte, um ihn nach einem kurzen Sprint im Darmstädter Tor unterzubringen. „Es ist schön zu sehen, wie Rudi in jeden Zweikampf geht. Davon profitieren seine Mitspieler, wie in diesem Fall Yuya“, sagt FC-Trainer Peter Stöger.

Es war nicht die einzige gute Szene von Rudnevs an diesem Nachmittag. Das 5:1 von Milos Jojic bereitete er ebenfalls vor, das 6:1 erzielte er selbst. Drei Torbeteiligungen innerhalb von nicht einmal 20 Minuten. Und drei Aktionen, in denen er genau die Qualitäten zeigte, für die er beim FC so geschätzt wird. Stöger: „Beim Tor von Jojic macht er den langen Weg, bei seinem eigenen Tor geht er in die Tiefe. Rudi ist immer fleißig und schafft Räume für ­andere. Er betreibt wahnsinnig viel Aufwand für die Mannschaft. Er ist ein totaler Teamplayer.“

Artjoms Rudnevs ist überzeugt, dass seine Spielweise mit seiner Herkunft zusammenhängt. Er wurde 1988 in Daugavpils geboren, einer Stadt im Südosten Lettlands. Bis 1990 gehörte die Stadt zur Sowjet­union, noch heute spricht die Mehrheit der 100.000 Einwohner Russisch – auch Rudnevs’ Familie. Sein Vater, von Beruf Bauarbeiter, stammt aus der Nähe von Moskau, seine Mutter, die als Köchin arbeitete, hat einen lettischen Pass, aber russische Vorfahren.

„Ich habe ein bisschen was von der russischen Mentalität geerbt. Das heißt, immer Vollgas zu geben. Ich bin ein Kämpfer“, sagt Rudnevs über sich selbst. Auch sein Name ist russisch. In seinem Pass steht zwar Artjoms Rudnevs, aber eigentlich heißt er Artjom Rudnev – bloß wird im Lettischen an Wörter männlichen Geschlechts ein „s“ an das Ende gehängt. „Mir ist egal, welche Variante ­benutzt wird, ich selber schreibe meinen Namen aber ohne ‚s’ und meine Familie nennt mich auch Artjom, nicht Artjoms.“

Hier geht's zum kompletten Porträt von Artjoms Rudnevs.

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PL. Verein Pkt.
12 1. FC Union Berlin 20
13 1. FC Köln 20
14 Hertha BSC 19

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