Profis | 28.10.2016

Yuya Osako im GeißbockEcho

Ende der Zweifel

Während Yuya Osakos Fähigkeiten vereinsintern immer geschätzt wurden, sahen ihn Teile der FC-Fans oft kritisch. Der Japaner hat sich vom Gegenwind nicht entmutigen lassen. Inzwischen überzeugt er auch die Spektiker.

In Japan ist Yuya Osako durch ein Video bekannt geworden, in dem er gar nicht zu sehen ist. Es stammt aus seiner High-School-Zeit und zeigt nicht ihn, sondern seinen Gegenspieler. Der Gegenspieler gibt ein Interview, in dem es um Osako geht. Darum, was für ein wahnsinnig guter Fußballer er sei. Kaum zu verteidigen. Er könne ja sogar mit dem Rücken zum Ball Pässe annehmen, jammert der Gegenspieler. „Er macht Dinge, die normalerweise nicht gehen. Osako ist krass, einfach krass.“ Ihm fließen Tränen über das Gesicht. Das Duell mit Yuya Osako hat ihn aus der Fassung gebracht. Vor laufender Kamera heult er Rotz und Wasser.

Aus der Bundesliga sind keine Fälle überliefert, in denen Yuya Osako einen Gegner zu Verzweiflungstränen getrieben hätte. Das hängt vor allem damit zusammen, dass die Bundesliga-Verteidiger im Regelfall über ein robusteres Gemüt verfügen als der japanische High-School-Spieler. Es ist aber auch so, dass Yuya Osako mit seinen Gegenspielern hierzulande lange Zeit ungewollt nachsichtiger war als in seiner Heimat. In seinen ersten beiden Jahren beim 1. FC Köln hat der Japaner seine fußballerische Begabung nicht konstant zur Geltung gebracht. In 56 Pflichtspielen kam er auf vier Tore und sechs Vorlagen. Angesichts Osakos Potenzial eine eher geringe Ausbeute. Guten Spielen folgten immer wieder unauffällige.

Kompletter Kicker

In dieser Saison hat sich das geändert. Der 26-Jährige spielt auf dauerhaft hohem Niveau. Seine Leistungssteigerung hat nicht unwesentlich zum guten Start des FC beigetragen. „Yuya ist ein ausgezeichneter Fußballer, einer der komplettesten Kicker, die wir haben“, sagt FC-Trainer Peter Stöger. „Er ist technisch stark, physisch stark, er kann den Ball halten und verteilen, hat aber auch einen guten Torabschluss.“

Gegen Schalke traf Osako mit rechts per Direktschuss aus der Distanz, gegen Leipzig wuchtete er den Ball nach einer Drehung um den Gegner aus kurzer Entfernung mit links unter die Latte. Zwei weitere Tore hat er in acht Einsätzen außerdem vorbereitet und einen Elfmeter erzwungen, den sein Sturmpartner Anthony Modeste verwandelt hat. Die beiden ergänzen sich: vorne Modeste, der mit seiner Wucht und Präsenz Räume aufreißt, um ihn herum Osako, der es dank feiner Ballbehandlung und guter Balance versteht, sich unter Druck zu behaupten und die sich öffnenden Räume mit Läufen und Pässen zu füllen.

„Das Zusammenspiel mit Tony funktioniert sehr gut“, bestätigt Osako. „Wir passen zueinander.“ In den ersten zwei Jahren in Köln habe er seine eigenen Erwartungen nicht erfüllt. Warum, weiß er selber nicht genau. „Wahrscheinlich waren es viele Faktoren. Ich hatte Schwierigkeiten, meine Rolle zu finden und habe mit der Eingewöhnung länger gebraucht, als ich dachte.“ Auch die zunehmend offensive Ausrichtung der Mannschaft helfe ihm jetzt. „Ich bin häufiger mit in der Spitze“, findet Osako. Je weiter vorne er aufgestellt sei, desto befreiter könne er spielen. „Weiter hinten muss ich überlegen: Gehe ich jetzt ins Pressing oder lasse ich mich zurückfallen? Vorne treffe ich diese Entscheidungen instinktiv.“

„Jetzt erntet er“

So sehr verändert habe sich Osakos taktische Rolle nicht, sagt hingegen Peter Stöger. „Aber wenn ihm dieser Gedanke hilft, ist das schon in Ordnung.“ Der Trainer sieht die Ursache für Osakos Aufschwung eher darin, dass er nicht aufgehört habe, konsequent an sich zu arbeiten. Im Training habe er von Anfang an und beständig einen sehr guten Eindruck gemacht. Manchem Fußballer falle es aber schwer, das auch im Spiel so gut umzusetzen. „Yuya hat sich nicht hängen lassen. Jetzt erntet er. Das gönnen wir ihm sehr.“

Hier geht's zum kompletten Porträt.

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PL. Verein Pkt.
14 1. FSV Mainz 05 18
15 1. FC Köln 17
16 Fortuna Düsseldorf 15

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