Club | 12.02.2016

Aus dem GeißbockEcho

Geburtshelfer des FC

Am Samstag vor 68 Jahren wurde der 1. FC Köln gegründet. Niemand weiß, ob das auch passiert wäre, wenn Matthias Roggendorf nicht zu später Stunde noch seine Kneipe geöffnet hätte.

Der 13. Februar ist beim 1. FC Köln kein Tag wie jeder andere. Wie immer, wenn der FC Geburtstag hat, wird an diesem Tag an die vielen ­Geschichten rund um den Club, aber auch an die Umstände seiner Gründung gedacht. Die Geburtsstunde des 1. FC Köln ist ohne die berühmte Gaststätte Roggendorf kaum denkbar. In der Wirtschaft in der Luxemburger Straße Nummer 188 fand die Fusion von ­Kölner BC und Spielvereinigung Sülz 07 statt. Während der Name der Gründungsgaststätte bis heute noch relativ präsent ist, geriet die Person hinter der Theke in Vergessenheit. Doch wer weiß, was passiert wäre, wenn Matthias Roggendorf den Koalitionären nicht noch zu später Stunde seine Kneipe aufgemacht hätte?

Der FC-Geburtshelfer kam am 7. Dezember 1899 in Efferen zur Welt, heute ein Stadtteil von Hürth. Erst als die Eltern vom Fuhrgeschäft samt eigener Kiesgrube auf Gastronomie umsattelten, kam „Matthes“ nach Köln. Dort verpassten ihm die Mitschüler auch gleich den richtigen Spitznamen: Et Röggelchen – das passte wie die Faust aufs Auge, servierten die Roggendorfs den Gästen in ihrem Lokal doch jene kölsche Roggenbrötchenspezialität zum Kölsch.

Den Ersten Weltkrieg heil überstanden

Dank der Kumpels begann Et Röggelchen sich auch für Fußball zu begeistern und wurde 1912 Mitglied des KBC. Da ihm das Fußballspielen zwar Spaß machte, das Laufen aber weniger, kam für ihn von Beginn an nur die Position des Torwarts in Frage. Nur zwei Jahre später war es mit dem unbeschwerten Spiel jedoch vorbei. Der Erste Weltkrieg brach aus, in dessen Verlauf auch ­Matthias Roggendorf zum Militär musste. Als Infanterist in Frankreich erlebte er blutige Auseinandersetzungen für oft nur wenige Meter Raumgewinn- oder Verlust. Die jugendliche Kriegsbegeisterung wich blankem Entsetzen. Immerhin gehörte Roggendorf zu den Glücklichen, die heil vom Schlachtfeld heimkehrten.

Zurück in der Heimat übernahm er trotz kaufmännischer Ausbildung bei einem Kölner Teppichhändler die elterliche Gaststätte – und widmete sich in jeder freien Minute dem Fußball. So avancierte Et Röggelchen in den 1920er Jahren zu einem der besten Torhüter Kölns, was ihm etliche Berufungen in die seinerzeit renommierte Kölner Stadtmannschaft einbrachte. Trotz aller Klasse blieb er ein rheinischer Stimmungsmensch, der an guten Tagen die Gegner und an schlechten Tagen die Mitspieler zur Verzweiflung treiben konnte. Eine lange aktive Karriere war dem kickenden Kneipier nicht vergönnt. Schon 1927 war nach einer schweren Knieverletzung Schluss mit Fußball, dem er dennoch eng verbunden blieb. Kein Wunder, gehörten doch Aktive und Funktionäre zu den Stammgästen im „Roggendorf“. Et Röggelchen unterstützte den Club nach Kräften. Mancher Spieler erhielt von ihm gratis Kost und bei Bedarf auch zeitweilige Logis.

Über das Geschehen in Sülz-Klettenberg war der Wirt  immer ­bestens informiert und stimmte als KBC-Mitglied für den Zusammenschluss mit Sülz 07. Im Sälchen seiner Gaststätte, aufgrund ihres Zuschnitts häufig auch als Schlauch bezeichnet, kam es dann am 13. Februar zur bis heute legendären Gründungsversammlung des 1. FC Köln. Es wurde später Abend, bis alles beschlossen war – doch zum Glück hatte das Roggendorf lange ­geöffnet.

Bis Mitte der 1960er Jahre stand der frühere Torhüter noch hinter der Theke, bevor er das Lokal an eine Brauerei verpachtete. Beim FC vergaß man nie, was Et Röggelchen in den schweren Anfangstagen für den Verein geleistet hatte. Bis zu seinem Tod im August 1975 war ihm im Stadion ein Ehrenplatz sicher.

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13 1. FC Köln 20
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