Profis | 08.05.2015

Marcel Risse im GeißbockEcho

Gegen den Wind

Ob auf dem Fußballplatz oder im Windkanal: Marcel Risse liebt die Geschwindigkeit. Ein Gespräch über Sprints, Schüsse und schnelle Wechsel.

Marcel, für unser Fotoshooting waren wir bei Ford im Windkanal, wo Windgeschwindigkeiten von mehr als 180 Stundenkilometern möglich sind. Welches Tempo schaffst du im Sprint?

Um die 35 Stundenkilometer dürften es schon sein, aber die genaue Zahl weiß ich nicht, weil wir bei Sprinttests immer nur die Zeiten messen. Das sind bei mir 3,9 Sekunden für 30 Meter.

Bist du damit der Schnellste beim FC?

Ich glaube, beim letzten Test war ich zusammen mit Tony Ujah der Schnellste. Schon in der Jugend waren Sprints mein großer Vorteil gegenüber anderen.

Wann ist dir das zum ersten Mal klar geworden?

Ich glaube, im Sportunterricht. Wie hieß das Spiel noch? Feuerball? Nein, Brennball. Das haben wir gespielt und da habe ich gemerkt, dass ich schneller auf den Beinen bin als die anderen.

Also beruht dein Tempo eher auf Veranlagung als auf Training?

Ich glaube zumindest, dass die Veranlagung den größeren Teil ausmacht. Mein Vater, der früher auch Fußball gespielt hat, wenn auch in keiner hohen Liga, war sehr schnell. Und meine Mutter war Leichtathletin und auch eine gute Läuferin. Ich denke, da habe ich etwas von geerbt. Durch gutes Training kann man dann noch etwas schneller werden.

Wie trainiert man Schnelligkeit?

Mit unserem Athletiktrainer Benny Kugel machen wir fast jeden Dienstag Sprinttraining. Da springen wir über Hürden und üben, schnell wieder vom Boden wegzukommen. Das ist wichtig beim Sprinten. Es gibt aber noch viele weitere Faktoren: Die Knie dürfen nicht zu hoch, aber auch nicht zu niedrig sein. Man muss die Arme mit einsetzen. Mein Laufstil ist eigentlich gar nicht so toll. Bei mir wurde oft kritisiert, dass ich eher geduckt laufe. Besser wäre eine aufrechtere Haltung mit mehr Spannung im Oberkörper. Aber das kriege ich irgendwie nicht hin.

Ist dir schon mal ein Gegenspieler davon gelaufen?

(Überlegt) Natürlich gibt es Situationen, in denen jemand Vorsprung hat oder aus der anderen Richtung kommt und nicht mehr einzuholen ist. Aber bei Eins-gegen-eins-Sprints mit gleichen Startvoraussetzungen ist mir eigentlich noch niemand richtig weggelaufen. Gegen Dortmunds Aubameyang, der vermutlich der mit Abstand schnellste Spieler der Bundesliga ist, hatte ich aber noch kein direktes Laufduell.

Wie wichtig ist Tempo im Fußball?

Sehr wichtig, weil es den Unterschied ausmachen kann. Es geht aber nicht nur um Lauf-, sondern auch um Handlungsschnelligkeit.

Die hast du im Derby gegen Leverkusen bewiesen, als du nach einem Ballgewinn an der Mittellinie direkt aufs Tor geschossen und fast den Siegtreffer erzielt hast.


Ich hatte im Augenwinkel gesehen, dass Bernd Leno ein Stück vor dem Tor steht und dachte: Probiere es einfach. Es lief an dem Tag gut für uns, da versucht man eher mal außergewöhnliche Sachen – und ich hatte auch gar keine echte Alternative, weil so viele Gegner um mich herum waren. Als der Ball den Fuß verlassen hatte, dachte ich aber schon, dass er eher nicht reingeht. Doch dann wurde der Schuss länger und länger und die Zuschauer lauter und lauter. Da habe ich kurz gehofft, dass er sich ins Tor senkt. Hat leider nicht ganz geklappt.

Beruht deine Gefährlichkeit aus der Distanz auch auf Veranlagung?


Nein, einen guten Schuss kann man sich antrainieren. Ich habe schon als Jugendlicher gerne aus der Distanz aufs Tor geschossen und das möglichst oft geübt. Ich schnappe mir auch heute noch sehr häufig und gerne vor und nach dem Training einen Ball und schieße aus allen möglichen Positionen aufs Tor.

Dabei fällt auf, dass du dein Schussbein nicht komplett durchstreckst. Wer hat dir das beigebracht?

Das habe ich mir bei David Beckham abgeschaut. Er war früher mein Vorbild. Ich habe mir bei Youtube viele Videos von ihm angesehen. Er hat bei seinen Bällen eine brutale Flugkurve hinbekommen, obwohl er eher mit der Innenseite geschossen hat. Heute versuche ich Cristiano Ronaldos Schusstechnik nachzumachen.

Worauf achtest du beim Schießen?

Darauf, den Ball nicht mit dem Spann und auch nicht mit der Innenseite, sondern eher mit dem Fußbereich dazwischen zu treffen. Wichtig ist, gut unter den Ball zu kommen und gleichzeitig mit dem Standbein stabil zu stehen. Mit dem Schussbein ziehe ich dann tatsächlich nicht voll durch, sondern stoppe die Bewegung, sobald ich den Ball getroffen habe. Wenn man das Bein komplett durchstreckt, bekommt der Ball eher einen Rückwärtsdrall. Mein Ziel ist aber, dass der Ball gar keinen Spin und deshalb eine unberechenbare Flugkurve hat. Die Kunst ist, das häufig hinzubekommen, sodass nicht nur einer von zehn Schüssen so fliegt, wie man sich das vorstellt.

Du gehörst auch zu den Freistoßschützen, die den Ball sehr sorgfältig hinlegen.

Ja, ich lege das Ventil immer schräg nach unten, sodass ich genau dagegen treten kann. Freistöße sind nicht einfacher auszuführen als Schüsse aus dem Spiel, aber man kann sie besser üben, weil man die Situation mit dem ruhenden Ball eher simulieren kann. Ich habe dann ein Drehbuch, einen genauen Ablauf, den ich befolge: Wie ich den Ball hinlege, wie viele Schritte ich für den Anlauf nach hinten und zur Seite gehe, wie ich das Standbein neben den Ball stelle und welchen Teil des Tores ich anpeile. Bei Cristiano Ronaldo wird es auch nicht anders sein. Er stellt sich ja immer sehr breitbeinig hin. Das halten alle für eine reine Pose, aber das gehört eben zu seinem persönlichen Drehbuch dazu.

Hier geht's zum kompletten Interview.

Sprints, Schüsse und schnelle WechselMarcel Risse im #GeißbockEcho: http://1fc.koeln/gegendenwind#KOES04 #effzeh

Posted by 1. FC Köln on Freitag, 8. Mai 2015

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Marcel Risse GeißbockEcho
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