Profis | 25.11.2016

Marcel Risse im GeißbockEcho

"Ich bin abgezockter geworden"

Siegtreffer im Derby, Tor des Monats im Pokal: Marcel Risse sorgt beim FC immer wieder für spektakuläre Momente. Im GeißbockEcho spricht er über Mut zum Risiko, Sticheleien von Mitspielern und seine Qualitäten als Vater.

Marcel, mit deinem Traumtor in Gladbach in letzter Minute hast du den FC-Fans ­einen Derbysieg geschenkt. Hast du den letzten Samstag schon verarbeitet?

Mittlerweile ja. Abends nach dem Spiel konnte ich aber nicht gut einschlafen. Ich glaube, das war das emotionalste Tor meiner bisherigen Karriere.  

Du hast in dieser Saison schon vier Tore und fünf Vorlagen auf deinem Konto. Ist das gerade der beste Marcel Risse, den die Welt bisher gesehen hat?

(lacht) Vielleicht der effektivste. Der beste? Das kann ich nicht beurteilen. Die Saison ist ja noch jung. Wenn bis Ende der Saison keine Tore und Vorlagen mehr dazu­kommen, war es gar kein so gutes Jahr. Aber bisher läuft es in die richtige Richtung.   

Du wirst in drei Wochen 27 Jahre alt. 27 wird oft als das beste Fußballeralter bezeichnet, weil die Athletik noch nicht nachgelassen hat, aber die Erfahrung schon da ist. Ist da was dran?

Ich glaube, Erfahrung ist durchaus wichtig. Mit 18 hätte ich das noch nicht so gesehen, aber da hatte ich die Erfahrung ja auch noch nicht, wie man als Fußballer mit den Medien oder bestimmten Spielsitua­tionen umgeht.  

Mit welchen Situationen?

Zum Beispiel 1:0-Führungen. Mit 18, 19 ist man wilder und will eher das zweite Tor schießen, statt das erste zu verteidigen. Da bin ich abgezockter geworden.  

Gegen Hamburg hast du dein 150. Bundes­ligaspiel gemacht, im aktuellen FC-Kader haben nur Konstantin Rausch und ­Matthias Lehmann mehr Erstligaein­sätze. Hat das Einfluss auf deine Rolle ­innerhalb der Mannschaft?

Dass ich damit zu den erfahreneren Spielern bei uns gehöre, wurde mir erst nach meinem 150. Spiel bewusst. Was das für meine Position in der Mannschaft bedeutet, kann ich schwer beurteilen. Ich bin intern genauso wie man mich auch nach außen hin kennt: eher ruhiger. Trotzdem mache ich gerne mal den einen oder anderen Spruch. Man kriegt in einer Fußballmannschaft öfter eine Spitze von den Mitspielern zu hören, da muss man auch austeilen können. (lacht)  

Was sind wunde Punkte bei dir, mit ­denen man dich ärgern kann?

Ich hatte schon relativ früh Geheimrats­ecken und wurde deswegen öfter aufge­zogen. Mittlerweile, mit fast 27 Jahren, ­lassen mich solche Sprüche aber eher kalt.  

Mit fast 27 Jahren gab es jetzt eine Premiere für dich. Dein Treffer im Pokal gegen Hoffenheim wurde zum Tor des Monats gewählt. Was bedeutet dir das?

Es hat mich schon gefreut, ist mir aber auch nicht extrem wichtig.  

Hast du für dich gestimmt?

Nein, aber meine ganze Familie. (lacht)  

Weil das Tor so schön war, hast du gegen Gladbach dieselbe Art Treffer noch einmal erzielt. Bist du der Mann für die besonderen Aktionen?

(überlegt) Ich glaube, dass ich jemand bin, der im Spiel häufiger das Risiko sucht. Manchmal vielleicht auch zu oft. Aber ich habe mir vorgenommen, dass ich es trotzdem immer wieder versuchen möchte. ­Gegen Hamburg zum Beispiel hatte ich das Gefühl, dass es von mir kein gutes Spiel war, dass ich aber trotzdem die ganze Zeit versucht habe, das Spiel in die richtige Richtung zu lenken. In den letzten zehn Minuten habe ich dann auf einmal zwei Tore vorbereitet. Das sieht dann hinterher aus, als hätte ich ein Riesenspiel gemacht. Dabei war es das nicht. Es war vielleicht effektiv, und das wird von der Öffentlichkeit wahrgenommen, auch wenn ich das für mich anders beurteile.  

Laut Statistik hast du in dieser Saison beim FC bisher nicht nur die meisten Tore vorbereitet, sondern auch die ­meisten Torschüsse. Ein Beleg dafür, dass du viele gefährliche Situationen einleitest?


Diese Statistik war mir nicht bekannt, aber es ist auf jeden Fall mein Ziel, gefährliche Situationen einzuleiten. Mit Tony Modeste haben wir einen Stürmer vorne drin, der sogar aus nicht so guten Flanken noch sehr viel machen kann. Als Außenspieler ist es deshalb meine Aufgabe, ihn mit möglichst vielen Zuspielen zu versorgen.  

Die Statistik besagt aber auch – um mal mit dem Loben aufzuhören – dass du mit 61 Prozent erfolgreichen Zuspielen eine der schwächsten Passquoten im Team hast.

Das war die letzten Jahre schon immer so, dass ich im Spiel drei, vier Torschüsse vorbereite, die Passquote aber immer relativ gering war. Eine Flanke, die nicht ankommt, wird nun mal als Fehlpass gewertet. Ich suche öfter das Risiko und spiele lange Bälle in die Schnittstellen der Abwehr. ­Gerade, wenn wir nicht so viele Torchancen kreieren, ist es mein Wesen, es weiter mit riskanten Pässen zu versuchen, auch wenn ich am Ende nur eine Passquote von 30 Prozent habe. Das nicht jedes Zuspiel gelingt, ist mir bewusst.

Ist das auch eine Vorgabe des Trainerteams, dass sie von dir besondere ­Aktionen erwarten?

Eine konkrete Absprache gibt es nicht. Aber ich glaube, wer offensiv spielt, muss auch mal etwas Besonderes machen. ­Hinten geht es um sicheres Aufbauspiel, vorne muss man auch mal risikoreich spielen, sonst kommt man nicht vorwärts.

Hier geht's zum kompletten Interview mit Marcel Risse.

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14 1. FSV Mainz 05 18
15 1. FC Köln 17
16 Fortuna Düsseldorf 15

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