Profis | 09.12.2017

Konstantin Rausch im GeißbockEcho

"Ich muss kein Held sein"

Konstantin Rausch hat bei einigen FC-Fans einen schweren Stand. Im GeißbockEcho spricht er über Pfiffe und Anfeindungen, den Abstiegskampf – und seine Begegnung mit Lionel Messi.

Kocka, als wir dich für das GeißbockEcho-Titelinterview angefragt haben, hast du einen Moment gezögert.
Ich stehe im Moment bei vielen Fans negativ im Fokus. Deswegen habe ich überlegt, ob diese Geschichte hier eine gute Idee ist – mich dann aber entschieden, sie zu machen.

Ein Teil der Fans sieht dich sehr kritisch. Es gibt Pfiffe gegen dich und sogar ­höhnischen Applaus beim Warmmachen. Nimmst du das wahr?
Als Spieler nimmt man so etwas immer wahr. Beim Warmmachen natürlich, aber auch im Spiel. Wenn die Partie unterbrochen ist und ich zu Ecken oder Freistößen anlaufe, wird es oft laut. Das bekomme ich mit.

Was geht in solchen Momenten in dir vor?
Ich bin seit zehn Jahren Fußballprofi und weiß, wie man sich zu verhalten hat. Es läuft gerade nicht gut bei uns und es ist völlig normal, dass dann die Stimmung kippt. Allerdings geht die negative Stimmung gerade sehr heftig in meine Richtung. Es wäre gelogen, wenn ich sagen würde, dass mir das nicht nahegeht.

Wie belastend ist das?

Ich muss das über mich ergehen lassen und trotzdem schauen, dass ich meine Leistung bringe. Immerhin kann ich damit Druck von den anderen Jungs nehmen, weil sich viele negative Emotionen auf mich fokussieren. Das ist vielleicht auch ein Vorteil, weil ich andere damit schützen kann. Jeder, der mich kennt, weiß, dass ich ein echter Teamplayer bin. Ich kann mit der Situation umgehen. Es gibt Spieler, die das so verunsichern würde, dass sie nicht mehr in der Lage wären, noch zu spielen. Ich bin in dieser Hinsicht zum Glück stark. Ich nehme mir auch bei der fünften oder sechsten Standardsituation den Ball und traue mich, Flanken aus dem vollen Lauf zu schlagen. Das würde ich nicht tun, wenn ich Angst vor den Reaktionen der Fans hätte, falls es nicht klappt.

Kannst du nachvollziehen, dass du von Teilen der Fans so kritisch gesehen wirst?
Ich kann komplett verstehen, dass die Fans nicht zufrieden sind mit uns und dass drei Punkte zu wenig sind. Dafür habe ich totales Verständnis. Ich habe auch absolutes Verständnis, wenn man mir vorwirft, dass pro Spiel im Schnitt zwei oder drei Standards schlecht kommen. Das nehme ich zu hundert Prozent an und versuche, es besser zu machen. Allerdings glaube ich, dass man mir nie vorwerfen kann, dass ich nicht hundert Prozent für den FC gebe, dass ich mich dem Abstiegskampf nicht stelle und nicht jeden Tag Vollgas gebe, egal ob ich Schmerzen habe oder angeschlagen bin. Ich rufe alles ab, was in meiner Macht steht und denke, das ist – über alle Spiele der Saison gesehen – nicht so schlecht, wie ich gerade dargestellt werde.

Du hast in dieser Saison, wenn du fit warst, jedes Spiel gemacht. Gegen Bremen hast du kurz vor Schluss den Ball von der eigenen Torlinie gekratzt und so die Niederlage abgewendet. Geht sowas unter?

Ich bin mir sicher, dass es viele Fans gibt, die anerkennen, wie ich Fußball spiele. Ich bin nicht der Typ, der ein Held, ein Star oder sonst was sein muss. Das brauche ich nicht. Aber ich glaube, dass ich ein Spieler bin, der jedes Mal hundert Prozent gibt. Das kann man anerkennen.

Es gibt nicht nur Kritik im Stadion, sondern auch in den sozialen Netzwerken. In den Kommentaren unter deinen Fotos auf Instagram wirst du beleidigt. Es gibt auch Leute, die dir dort Verletzungen wünschen. Was denkst du, wenn du so etwas liest?
(überlegt) Ich muss ehrlich sagen: Da werden Grenzen überschritten. Ich habe mich dazu bisher noch nicht geäußert, aber irgendwann ist ein Punkt erreicht, an dem es einfach zu viel ist. Man muss mich nicht mögen. Aber es muss schon sehr viel in jemandem vorgehen, damit er einem anderen Menschen wünscht, dass er sich die Beine bricht oder sich erhängt. Da muss schon sehr viel falsch laufen, wenn man bereit ist, solche Dinge von sich zu geben.

Wie legt man den Schalter um und blendet solche Anfeindungen aus?
Das Vertrauen in die eigene Stärke hilft. Man muss sich mental davon befreien, um jeden Tag bereit zu sein, alles zu geben. Wenn so viel Kritik kommt, überlegt man irgendwann: Ist das alles wahr? Ich habe mir darüber Gedanken gemacht und mich mit vielen Leuten ausgetauscht, auch mit meinen Mannschaftskollegen und unter anderem Peter Stöger. Sie haben mir gesagt, dass ich viele Sachen gut mache, zum Beispiel, was das Aufbauspiel oder das Zweikampfverhalten angeht. Über meine Standards brauchen wir nicht zu diskutieren. Die müssen besser kommen.

Das vollständige Interview gibt es in der GeißbockEcho-App. Hier geht's zum Download:
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