Profis | 13.08.2019

Torwart im Interview

Kessler: „Die Zahl macht mich stolz“

Beim Pokalspiel gegen Wiesbaden hat Thomas Kessler das 300. Mal bei einem Pflichtspiel auf der Bank des 1. FC Köln gesessen. Im Interview mit fc.de sagt Kess, was ihm das Jubiläum bedeutet, spricht über seine Arbeit im Mannschaftsrat – und seinen Nachfolger als Kassenwart.

Kess, im Pokalspiel gegen Wiesbaden hast du das 300. Mal bei einem Pflichtspiel des 1. FC Köln auf der Bank gesessen. Du hast gesagt, dieses Jubiläum sei für dich eine Auszeichnung. Wieso?
Wenn man die Spielzeiten mit einbezieht, als ich ausgeliehen war, komme ich jetzt auf mehr als 350 Kadernominierungen in der ersten Liga oder bei einem gefühlten Erstligisten. Ich habe das selbst nicht mitgezählt, aber bin mit der Zahl konfrontiert worden und finde schon, dass es etwas Besonderes ist. Ich glaube, das ist eine außergewöhnliche Zahl und auf die kann man stolz sein.

Trotzdem will ja jeder Fußballer spielen.
Klar, ich auch. Aber die Position des Torwarts beinhaltet eben, dass man in der Regel nicht eingewechselt wird. Es gibt ja viele Feldspieler, die verweisen nach ihrer Karriere auf 300 Spiele und wurden davon vielleicht 180 Mal eingewechselt. Als Feldspieler wäre ich bei den 300 Pflichtspielen auf der Bank sicher öfter mal eingewechselt worden, aber ich glaube, es ist auch keine Selbstverständlichkeit, so lange den Posten des zweiten Torwarts zu bekleiden. Ich habe in der Vergangenheit immer dann, wenn ich gebraucht wurde, gezeigt, dass ich es kann. Das ist wohl auch der Grund dafür, warum die Zahl 300 jetzt bei mir allein beim 1. FC Köln steht.

Du bist auch in dieser Saison wieder in den Mannschaftsrat gewählt worden. Was bedeutet dir das – und welche Bedeutung hast du in dieser Rolle für die Mannschaft?
Wichtig ist erstmal, dass die anderen Jungs wissen, dass sie jederzeit zu mir kommen können. Ich bin gerne einer der Führungsspieler. Ich habe hier unglaublich viel erlebt, nicht nur in diesem Club, sondern auch in dieser Stadt. Ich glaube, dass ich über einen unheimlichen Erfahrungsschatz für junge und neue Spieler verfüge. Gerade, wenn wir im Mannschaftsrat über Dinge diskutieren, die wichtig für die Mannschaft sind, ist es immer gut, wenn es auf mehrere Schultern verteilt ist. Aber es ist nicht so, dass der Mannschaftsrat exklusiv alles entscheidet. Es gibt auch noch viele Spieler drumherum, die über große Erfahrung verfügen und wichtige Rollen in der Mannschaft besetzen. Es ist eine schöne Geschichte, in das Gremium hineingewählt zu werden, aber es geht nicht um die Wahl, es geht um die Mannschaft.

Gremium – das klingt so, als würdet ihr euch jeden Mittwoch im Sitzungssaal eines Tagungshotels treffen.
Ja, wir machen das aber grundsätzlich sonntags, zum Brunchen, mit Blick auf den Dom (lacht). Nein, natürlich nicht. Wenn etwas ansteht, haben wir aber einen kurzen Draht zueinander. Wir haben eine exklusive WhatsApp-Gruppe, wo wir uns schnell zusammenfunken können, wenn Entscheidungen getroffen werden müssen. Das muss nicht immer rund ums Training sein, das kann auch mal im privaten Rahmen stattfinden.

Um welche Themen geht es da?
Zum Anfang der Saison sind natürlich Mannschaftsprämien ein Thema. Ansonsten geht es um Dinge, die sich einfach im Laufe einer Saison auftun. Letztlich ist es wie in jedem anderen Beruf auch, dass es interne Gespräche gibt. Und wenn Spieler an uns rantreten, können wir auch Bindeglied zwischen Spieler und Trainer sein. Gerade bei jungen Spielern ist das enorm wichtig, dass sie sich bei der einen oder anderen Frage einen Rat holen können. Und wenn es bei neuen Spielern Fragen zu Stadt oder Umfeld gibt, stehen wir mit Rat und Tat zur Seite. Ellyes (Skhiri, Anm. d. Red.) habe ich zum Beispiel letzte Woche zufällig beim Italiener getroffen, da haben wir uns kurz ausgetauscht und natürlich habe ich ihm angeboten, dass er sich einfach melden kann, wenn er etwas braucht oder wissen möchte.

Das Amt des Kassenwarts hast du diesen Sommer abgegeben – an Lasse Sobiech.
Genau, ich habe das jetzt sieben Jahre gemacht und ich hatte den Eindruck, dass diese Position einen neuen Impuls brauchte (lacht). Es ist schon auch anstrengend, jedes Mal derjenige zu sein, der auf die Uhrzeiten achtet und mit den Leuten spricht und diskutiert. Ich habe gesagt, ich mache das, so lange ich hier bin und bis ich jemanden finde, der mein Nachfolger sein kann. Und mit Lasse als Wahl bin ich da sehr zufrieden. Lasse ist für mich ein Typ, der perfekt ist für diese Rolle. Ich musste ein paar Tage mit ihm sprechen und es war auch Überzeugungsarbeit nötig, da hat Jonas (Hector) auch seinen Teil zu beigetragen.

Was macht einen guten Kassenwart aus?
Dass er Autorität ausstrahlt. Wenn Strafen ausgesprochen werden, werden die auch eingetrieben. Da gibt es keine Diskussion. Da muss derjenige schon ein gewisses Gewicht in der Mannschaft haben. Wir haben einen Verhaltenskatalog – und wenn man den nicht einhält, wird man zur Kasse gebeten.

Was für Dinge regelt der Verhaltenskatalog?
Es geht um Pünktlichkeit, zu spät zum Essen, zu Terminen, zum Physio. Um den Umgang mit den Trainingssachen, um Handyklingeln, um Busfahrten – um alles, was man sich so vorstellen kann.

Was passiert am Ende der Saison mit dem Geld in der Mannschaftskasse?
Wir gehen zusammen was essen. Oder wir spenden das Geld, zum Beispiel ans Kinderkrankenhaus.

Am Wochenende beginnt die Bundesliga. Zum Start weiß niemand so recht, wer wo steht. Wie schätzt du die aktuelle Situation des FC mit deiner Erfahrung ein?
Ich glaube, dass wir eine gute Vorbereitung gespielt haben. Im Pokal hat unser Spiel streckenweise nicht das widergespiegelt, was wir uns erarbeitet haben. Das haben wir aber auch schon deutlich angesprochen. Wir wissen ganz genau, wo wir etwas verändern müssen, um am Samstag erfolgreich zu sein. Ein Start in die Bundesliga ist als Aufsteiger immer spannend. Mit Wolfsburg haben wir direkt einen Gegner, der sich letzte Saison völlig zu Recht für Europa qualifiziert hat. Und über das Auftaktprogramm wurde ja eh schon genug gesprochen. Wir sind einfach froh, dass es wieder losgeht. Das ist wieder Bundesliga. Das ist da, wo wir wieder hinwollten und wo der FC auch hingehört.

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