Profis | 18.12.2015

Leonardo Bittencourt im GeißbockEcho

Leo der Profi

Leonardo Bittencourt ist vom Talent zum gestandenen Bundesligaspieler gereift – trotzdem steht der 22-Jährige erst am Anfang seiner Entwicklung.

Erst ein Lächeln. Dann ein konzentrierter Blick. Und jetzt noch ein paar spontane Grimassen. Alles kein Problem. Leonardo Bittencourt ist es gewohnt, im Scheinwerferlicht zu stehen. Er war noch ein Kind, als die Objektive erstmals in seine Richtung geschwenkt wurden. Sein Vater hatte gerade ein Bundesligaspiel gegen den FC Bayern gewonnen – und weil er und die Fans von Energie Cottbus sich so diebisch freuten über diesen Coup, nahm Franklin Bittencourt seinen Sohn auf die Schultern und drehte mit ihm eine Ehrenrunde durch das Stadion der Freundschaft. 15 Jahre ist das her. Heute spielt Leonardo selbst in der Bundesliga. Diese Saison ist seine vierte in der ersten Liga. Er war bei Borussia Dortmund und bei Hannover 96, seit Sommer trägt er das Trikot des 1. FC Köln. Die Bayern hat er bisher noch nicht geschlagen, aber er hat schon jetzt mehr Bundesligaspiele zu verbuchen als sein Vater: 76 – mit gerade mal 22 Jahren.

Bittencourt ist stolz auf diese Zahl. Darauf, seinen Vater überflügelt zu haben. Wenn die Kinder erfolgreicher Menschen ihren Eltern beruflich nacheifern, sind die Erwartungen oft groß. Bei Leonardo Bittencourt waren sie gigantisch. Er war noch nicht mal volljährig, als er von Trainer Pele Wollitz als „Jahrhunderttalent“ gepriesen wurde. Horst Hrubesch nannte ihn einen „kompletten Spieler“ und Jürgen Klopp ein „großes, großes, großes Talent“. Schöne Worte sind das. Aber auch ziemlich gewichtige. So gewichtige, dass manche Menschen sich von ihnen erdrückt fühlen würden. Leonardo Bittencourt aber nimmt sie so, wie er vieles im Leben nimmt. Mit einem Lachen. „Was von außen auf mich hereinprasselt, interessiert mich nicht so sehr. Ich sehe Fußball nicht als Job an. Ich spiele, weil es mir Freude macht. Ich habe einfach Bock zu kicken.“

Man sieht ihm diese Freude am Fußball an. Bittencourt ist ein schneller Spieler. Wendig, trickreich, beidfüßig. Jemand der gerne kombiniert, der gerne attackiert. Der das direkte Duell sucht – wieder und wieder. Er wirkt unbeschwert, auf dem Platz und auch daneben. „Ich bin eigentlich immer gut drauf.“ Ohne das Klischee vom lustigen Brasilianer bemühen zu wollen: Bittencourts Mentalität hat womöglich doch etwas mit seiner Herkunft zu tun.

Brasilianische Wurzeln

Leonardos Eltern stammen aus Rio de Janeiro. Aus einfachen, aber nicht armen Verhältnissen. Brasilianische Mittelschicht. Sie lernen sich als Jugendliche kennen, heiraten früh, mit 20 kommt das erste Kind: Gabriel. Die Fußballkarriere des Vaters führt die kleine Familie 1992 nach Deutschland, zum VfB Leipzig. Ein Jahr später kommt Leonardo zur Welt. Er wächst in Cottbus auf, wo sein Vater mehrere Jahre als Profi spielt und danach als Jugendtrainer arbeitet. Es ist eine glückliche Kindheit. „Mein Vater war sehr beliebt in Cottbus. Es war für uns sehr schön, dort zu leben. Cottbus ist eine Stadt, in der man sehr gut aufwachsen kann. Wir sind dort auf den Straßen herumgerannt und hatten viel Freiraum.“

Bittencourt wächst mehrsprachig auf. Mit den Eltern spricht er Portugiesisch, mit dem Bruder und seinen Freunden Deutsch. Und im Kindergarten Sorbisch. „Ich bin zufällig in einen sorbischen Kindergarten gekommen, weil der von uns zu Hause aus einfach am nächsten war. Ich kam dorthin und habe die Erzieherin auf Deutsch angesprochen – aber sie hat auf Sorbisch geantwortet.“ Es dauert nicht lange, bis Bittencourt die westslawische Sprache selbst beherrscht. „Es wäre witzig, wenn ich das heute noch könnte, aber nachdem ich aus dem Kindergarten raus war, habe ich es leider komplett verlernt.“

Noch im Kindergartenalter fängt Bittencourt an, im Verein Fußball zu spielen. In der F-Jugend von Energie Cottbus. Der Ball wird sein ständiger Begleiter. „Ich hatte kein Kuscheltier, ich hatte meinen Fußball. Ich habe ihn sogar mit ins Bett genommen.“ Als die Eltern fragen, was er sich zu Weihnachten wünscht, sagt er: einen Fußball. Nicht einmal, sondern jedes Jahr. Als die Familie in den Urlaub fährt, bricht der kleine Leo in Tränen aus. „Ich habe geweint, weil das hieß, dass ich ein, zwei Wochen nicht zum Training konnte. Ich wollte das nicht verpassen. Wenn es zehn Einheiten am Tag gegeben hätte, hätte ich zehn gemacht.“

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PL.VereinPkt.
131. FSV Mainz 0537
141. FC Köln36
15FC Augsburg36