Profis | 28.04.2015

Manfred Schmid im GeißbockEcho

Nach dem Spiel ist vor dem Spiel

Ein Fußballspiel einfach so anschauen? Für Manfred Schmid unvorstellbar. „Ich war schon immer ein Verrückter. Selbst wenn ich mal ein Spiel in aller Ruhe angucken will, ertappe ich mich beim Analysieren der verschiedenen taktischen Abläufe der Teams“, gesteht der Assistenztrainer des 1. FC Köln. Für manche mag das anstrengend klingen – für Schmid hingegen ist es ein elementarer Bestandteil seines Jobs.

„Natürlich muss man ein Spiel öfter sehen. Es ist nicht damit getan, sich 90 Minuten ins Stadion zu setzen, die Partie zu verfolgen und dann zu sagen: Das reicht jetzt“, so der Österreicher. Anschließend überprüft er seine Eindrücke durch intensives Videostudium. Dabei spult der 44-Jährige immer wieder zurück, hält das Video an und sucht nach bestimmten Abläufen. „Ich schaue, ob ich Automatismen im Offensiv- oder Defensivspiel erkenne“, verrät Schmid.

Dies erfordert nicht nur ein geschultes Auge, sondern auch eine ordentliche Portion Geduld und Ehrgeiz. „Die wichtigste Voraussetzung ist die Leidenschaft für solch eine Arbeit, man muss einfach extrem viele Spiele schauen“, sagt Schmid und verweist auf seine Zeit in Österreich, wo er teilweise „bis vier Uhr in der Früh vor dem Kasten saß“.

Im Laufe der Jahre hat Schmid, der sich die Videoanalyse selbst angeeignet hat, extrem viele Spiele gesehen und daraus seine Schlüsse gezogen. „Man lernt mit jeder einzelnen Partie und erkennt taktische Zusammenhänge und Entwicklungen “, erklärt Schmid, der gerne von zu Hause aus arbeitet. Dort schottet er sich ab  und versinkt völlig in der Analyse der nächsten Gegner. Bei der täglichen Arbeit am Geißbockheim ist jedoch Teamwork angesagt.


Manfred Schmid bespricht eine Spielszene mit Analyst Hannes Dold.

Videoanalyse ist Teamarbeit

Schmid arbeitet eng mit der Scoutingabteilung des FC zusammen. „Ich habe zwei Mitarbeiter, die mich sehr gut unterstützen.“ Die beiden Analysten nehmen die kommenden Gegner genau unter die Lupe und stellen dem Assistenztrainer Material zusammen.  Dabei liefern sie häufig wichtige Denkanstöße für das Trainerteam. „Manchmal sehen sie auch Dinge, die ich nicht gesehen habe – dafür bin ich sehr dankbar“, sagt Schmid.

Aus den Diskussionen ergeben sich letztlich Themenschwerpunkte für das endgültige Video zur Vorbereitung der FC-Profis. Dieses spielt Schmid in der Teamsitzung ab und erläutert den Spielern die Spielweise des Gegners. Alles in einfachen Worten und nie länger als 20 Minuten. „Man muss aufpassen, dass man die Spieler nicht mit Informationen zuschüttet. In meiner Anfangszeit als Trainer habe ich alles über den Gegner aufgeschrieben. Da hat nur noch gefehlt, dass ich meine Spieler nicht auch noch über die Schuhgröße informiert habe“, sagt der Assistenztrainer und lacht.


Die Analysten markieren Laufwege, um gegnerische Offensivabläufe aufzuzeigen.

Eigenanalyse genauso wichtig

Auch das Spiel der  eigenen Mannschaft spielt bei der Videoanalyse eine große Rolle. Die eigenen Partien werden von den Analysten möglichst früh nach dem Spiel nachbereitet. Sie schneiden die aus ihrer Sicht wichtigsten Szenen zusammen und treffen sich dann mit dem Assistenztrainer. „Vorher schaue ich mir aber nochmal das gesamte Spiel an – ohne jeden Input von außen. Danach setzen wir uns zusammen und gehen die vorbereiteten Sequenzen durch“, erklärt Schmid.

Dabei achtet er vor allem darauf, wie seine Spieler die vorher analysierten und trainierten Aspekte umgesetzt haben – und warum einige Dinge gut oder eben nicht so gut funktioniert haben. Anschließend geht es wieder an die Vorbereitung auf den nächsten Gegner. Dafür schauen sich die Analysten erneut möglichst viele Spiele an, um den bestmöglichen Eindruck von der Spielweise des anderen Teams zu bekommen.

„Ich könnte es mir natürlich auch einfach machen, nur das jeweils letzte Spiel des Gegners analysieren und daraus einen Film zusammenschneiden – aber das bringt uns alle nicht weiter“, so Schmid. Videoanalyse sei eben „echte Arbeit“. Arbeit, die ein Fußball-Verrückter wie Manfred Schmid gerne macht.

Wie und wo Manfred Schmid die Spiele am liebsten verfolgt und wie die FC-Profis die Videoanalyse annehmen, lesen FC-Mitglieder im aktuellen GeißbockEcho. Hier geht es zur kompletten Story.

Schlagwörter:

Manfred Schmid Videoanalyse Scouting GeißbockEcho
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Tabelle

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Gesamttabelle
PL.VereinPkt.
131. FSV Mainz 0537
141. FC Köln36
15FC Augsburg36