Profis | 30.10.2015

Simon Zoller im GeißbockEcho

Reine Kopfsache

Simon Zoller hat aus seinem ersten halben Jahr in Köln viel gelernt. Deshalb ist er im zweiten Versuch doch noch beim FC angekommen.

Wenn ihr Leben eine Wendung nimmt, gehen manche Menschen zum Friseur. Als Signal an sich selbst und alle anderen: Neue Frisur, neuer Start. Man könnte es deshalb für symbolträchtig halten, dass Simon Zoller als Treffpunkt für die Fotos zu dieser Geschichte einen Friseursalon vorschlägt. Er meint das aber nicht so. Er mag den Laden einfach. Der Besitzer ist ein guter Freund von ihm. Das ist alles. Das mit dem Neubeginn gilt für ihn trotzdem. Mehr denn je.

Vor der vergangenen Saison war Simon Zoller neu zum FC gekommen. Als sogenannter Königstransfer. Als Spieler, der mithelfen sollte, den Verein auf ein neues Level zu hieven. So lautete die öffentliche Wahrnehmung. Zollers Verpflichtung galt als Coup, damals, im Juni 2014. Ein halbes Jahr später war Zoller wieder weg. Auf eigenen Wunsch verliehen zu seinem vorherigen Verein, dem 1. FC Kaiserslautern. In diesem Sommer ist er wieder zurückgekehrt nach Köln. Mit dem klaren Ziel, noch einmal von vorne anzufangen. Mit dem festen Willen, seine Karriere als Fußballer wieder in die richtige Spur zu bringen. Eine Karriere, die er fast hatte aufgeben müssen, bevor sie richtig losging. Denn der Rückschlag in Köln war nicht der erste für ihn.

Zum Fußball kommt Simon Zoller eher zufällig. Weil es einen Bolzplatz gibt, gegenüber von seinem Elternhaus in Berg, einem dörflichen Stadtteil am Nordrand von Friedrichshafen. Wie so viele Jungs aus der Nachbarschaft verbringt Zoller dort jede freie Minute. In einen Verein geht er aber erst mit zehn. Ein paar Freunde von ihm spielen damals drei Dörfer weiter, beim TSV Fischbach. Und als sie zu wenig sind, fragen sie, ob er nicht aushelfen kann. Also setzt sich Zoller auf sein Fahrrad, fährt hin, spielt mit – und bleibt.

Schon damals ist er schneller als viele andere, und auch besser am Ball. Nach zwei Jahren geht er zum besten Verein der Stadt, dem VfB Friedrichshafen. Trotzdem ist Fußball nichts weiter als ein Hobby für ihn. Nach der Schule würde er studieren oder in den Heizungs- und Sanitärbetrieb seines Vaters einsteigen – glaubt er zumindest. Bis einer seiner Mitspieler vom VfB Stuttgart abgeworben wird, dem Bundesligisten, dem führenden Verein der Region. Zoller erinnert sich:„Ich dachte damals: So arg schlechter bin ich auch nicht.“ Beim VfB sieht man das offenbar ähnlich – und lotst den kleinen, flinken Angreifer einige Monate später ebenfalls nach Stuttgart.

Anfangs pendelt er nach Stuttgart. Viermal die Woche. Mit dem Zug. Morgens zweieinhalb Stunden hin, abends zweieinhalb Stunden zurück. Nach einem halben Jahr bringt ihn der VfB im vereinseigenen Internat unter. Kaum dort angekommen, verletzt sich Zoller schwer. Knöcherner Ausriss des Gesäßmuskels lautete die Diagnose. Sechs Monate Pause. Erst Rollstuhl, dann Krücken, dann Reha. Ein schwerer Schlag für einen 14-jährigen Fußballer. Der nächste folgt: „Der VfB hat mir gesagt, dass sie meinen Platz im Internat für jemand anderen brauchen.“

Trainieren ja, Spielen nein

Zoller muss ausziehen. Ein Mitarbeiter der Nachwuchsabteilung nimmt ihn zu Hause auf. Seine Teamkollegen gehen zum Training – und er zur Physiotherapie. „Das war echt hart für mich.“ Als Zoller endlich wieder auf den Fußballplatz zurückkehrt, bricht die Verletzung erneut auf. Die Tortur beginnt von vorne. Kurz vor dem Übergang in die nächste Jahrgangsstufe eröffnet ihm der VfB, dass er gerne weiter mittrainieren könne, allerdings ohne Spielberechtigung. Zoller lehnt ab – und wechselt zum SSV Ulm. Ein Rückschritt. Aber auch eine Chance. „Ich habe mir gesagt: Entweder hält dein Körper – oder eben nicht. Dann hörst du halt auf mit dem Fußball.“

Als Zollers Vertrag ausläuft, bietet ihm der KSC zwar eine Verlängerung an, jedoch zu schlechteren Bezügen. Es kommt zu keiner Einigung. Auch nicht mit anderen Vereinen. Mit 21 Jahren steht Simon Zoller ohne Club da.

Hier geht's zum kompletten Text.

Schlagwörter:

Simon Zoller GeißbockEcho
  • empfehlen

Tabelle

Menu
Gesamttabelle
PL.VereinPkt.
131. FSV Mainz 0537
141. FC Köln36
15FC Augsburg36