Frauen | 16.10.2021

Israelische Nationalspielerin spielt gegen Deutschland

Sharon Beck: Die Spiele meines Lebens

Sharon Beck trifft mit der israelischen Nationalmannschaft der Frauen in der Qualifikation für die Weltmeisterschaft in Australien und Neuseeland 2022 auf die DFB-Frauen. Das Außergewöhnliche daran ist, sie spielte einst selbst für die deutsche Nationalmannschaft.

Dreieinhalb Jahre ist es her, da entschied sich Sharon Beck zukünftig für die israelische Nationalmannschaft aufzulaufen. „Damals konnten einige meine Entscheidung nicht verstehen“, erinnert sich FC-Offensivspielerin Sharon Beck heute. „Natürlich hätte ich mit Deutschland eine größere Chance gehabt, Titel zu gewinnen. Aber das war nicht das Wichtigste für mich. Ich habe mich im israelischen Nationalteam einfach unheimlich wohlgefühlt – und das war schon immer sehr wichtig für mein Fußballspiel.“ Sharons Vater kommt aus Israel, die Mutter aus Deutschland, deshalb besitzt sie beide Staatsbürgerschaften. „Ich hatte das Glück in meiner Kindheit beide Kulturen kennenzulernen. Wir haben Weihnachten genauso gefeiert wie die israelischen Feste.

Sharon Beck wurde in Tönisvorst bei Krefeld geboren. Mit drei Jahren begann sie Fußball zu spielen, startete eine beeindruckende Karriere, die sie in die Nationalmannschaften der Juniorinnen des DFB und in die Bundesliga führte. Mit 16 Jahren debütierte sie für die SGS Essen in der höchsten deutschen Spielklasse. „Ich war so nervös, dass mir gar nicht aufgefallen ist, dass ich mir vor der Einwechslung nur an einem Bein den Schienbeinschoner unter dem Stutzen angezogen hatte. Das habe ich dann erst nach Abpfiff gemerkt“, sagt Beck lachend. Mit der deutschen U17-Nationalmannschaft wurde sie in Nyon 2012 Europameisterin. Mit der A-Nationalmannschaft nahm sie im Februar 2018 am SheBelieves Cup teil. Da sie für die A-Nationalelf dort allerdings nicht zum Einsatz gekommen war  und sich somit nicht festgespielt hatte, folgte die Anfrage der israelischen Nationalmannschaft und ihr Debüt für das Heimatland ihres Vaters. „Es war eine große Wertschätzung, dass ich für die A-Nationalmannschaft Deutschlands nominiert wurde. Nach  längeren Gesprächen mit dem israelischen Trainer habe ich mich dann aber für Israel entschieden. Ich wurde dort so herzlich aufgenommen, die Menschen waren mir gegenüber sehr warmherzig und ich spüre auch heute bei den Nationalmannschaftreisen noch eine große Dankbarkeit, dass ich für Israel auflaufe“, erzählt Beck.

Frauenfußball entwickelt sich

Sharon Beck gehört zu den Ausnahmespielerinnen ihrer Nationalmannschaft. Viele von ihnen können Fußball nicht professionell betreiben, sondern gehen parallel einem weiteren Job nach. „Aber der Frauenfußball entwickelt sich in Israel und es ist spannend, ein Teil davon zu sein“, sagt Beck. „Auch abseits des Fußballs ist die Geschichte dieses Landes sehr bewegend und Israel immer eine Reise wert.“ Allerdings wird das Land auch immer wieder stark durch den Nahostkonflikt und die Kriegszustände beeinflusst. „Ich war selbst schon in Israel, als Tel Aviv bombadiert wurde. Natürlich wird man da panisch und macht sich Sorgen“, erklärt Beck. „So schlimm das alles auch ist, in Israel haben die Menschen gelernt, damit zu leben.“

Auf die Länderspiele mit Israel gegen Deutschland (21. und 26. Oktober 2021) freut sich Beck ganz besonders. „Das werden die Spiele meines Lebens“, sagt Beck. „Ein Teil meiner Familie und Verwandtschaft lebt in Israel, der andere in Deutschland. Viele von ihnen werden zu den Länderspielen kommen. Deswegen werden es ganz besondere Partien für mich.“

FC-Frauen erwarten Jena

Zuvor empfängt Sharon Beck allerdings mit den FC-Frauen am Sonntag, 17. Oktober 2021, den FC Carl Zeiss Jena um 16 Uhr im Franz-Kremer-Stadion. „Wir wollen das Spiel unbedingt gewinnen und hoffen dabei auf viele Zuschauer, die uns anfeuern“, sagt Beck. Seit 2020 spielt die 26-Jährige mittlerweile bei den FC-Frauen. Die technisch starke und torgefährliche Beck entschied sich mit dem FC in die zweite Liga zu gehen anstatt Angebote in der Bundesliga anzunehmen. Genau wie bei ihrer Entscheidung für Israel konnten einige ihren Wechsel von einem ambitionierten Bundesligisten nach Köln zunächst nicht nachvollziehen. Beck erklärt: „Ich war und bin von dem Projekt absolut überzeugt, den Frauenfußball beim FC in eine erfolgreiche Zukunft zu führen und langfristig etwas aufzubauen. Ich treffe meine Entscheidungen mit dem Herz und mit dem Kopf. Ich fühle mich beim FC sehr wohl und bin glücklich, dass hier und für die israelische Nationalmannschaft spielen kann.“

Tickets für das Spiel gegen Jena gibt es hier.

  • empfehlen

Tabelle

Menu
Gesamttabelle
PL.VereinPkt.
91. FSV Mainz 0518
101. FC Köln18
11Borussia Mönchengladbach18

FC-FANSHOP