Profis | 14.12.2019

Simon Terodde im neuen GeißbockEcho

Terodde: „Es gibt keine Ausreden“

Simon Terodde ist vor rund zwei Jahren zum FC zurückgekehrt. Seitdem hat er in 66 Pflichtspielen 42 Tore erzielt. Als Torschützenkönig der 2. Bundesliga hat er maßgeblich dazu beigetragen, dass der 1. FC Köln wieder in der Bundesliga spielt. Auch abseits des Platzes nimmt sich der Führungsspieler in die Pflicht. Um die Liga zu halten, geht der 31-Jährige voran.

Simon, um mit etwas Positivem vom vergangenen Spiel zu beginnen: Du wurdest bei Union Berlin sehr freundlich empfangen und von den Fans sogar als Fußballgott gefeiert.
„Ja, das stimmt. Das gehört zur Vereinskultur der ­Unioner einfach dazu. Ich habe drei schöne Jahre in Berlin verbracht und zu vielen Menschen ein gutes Verhältnis. Ich hätte es aber auch gerne in Kauf genommen, wenn die Berliner Fans nach dem Spiel nicht mehr so gut auf mich zu sprechen gewesen wären, und wir etwas mitgenommen hätten. Insgesamt war die Auswärtsfahrt nicht so, wie wir sie uns vorgestellt haben.“ 

Wie groß ist der Ärger mit etwas Abstand noch?
„Die Enttäuschung ist schon sehr groß – ist doch klar. Uns geht es da nicht anders als jedem Fan. Wir haben uns viel vorgenommen für das Spiel, aber zwei entscheidende Fehler gemacht. Insbesondere in der ersten Hälfte war es kein schönes Spiel, aber wir haben anfangs gut dagegengehalten. Durch eine Standard­situation kassieren wir das 0:1, was Union richtig in die Karten gespielt hat. Ich muss dabei besser vertei­digen und darf meinen Mann nicht zum Abschluss kommen lassen. So geraten wir auf die Verliererstraße.“ 

Du hast bereits in der Vorwoche, aber auch in den Interviews direkt nach dem Spiel ehrliche und selbstkritische Worte gefunden. Wie schwer fällt es dir, in solchen Situationen voranzugehen?
„Ich gehöre in der Mannschaft zu den erfahrenen Spielern. Da sehe ich es als meine Pflicht an, wenn ich gefragt werde, zu versuchen, die Lage richtig einzuordnen. Natürlich gibt es schönere Aufgaben. Aber die Lage ist so, wie sie ist. Da nützt es nichts, wenn man den Kopf in den Sand steckt oder Trübsal bläst. Ich habe kein Problem damit, auch öffentlich meine Meinung klar zu äußern.“ 

Wie füllst du diese Rolle innerhalb der Mannschaft aus?
„Ich dränge mich nicht auf, aber in gewissen Momenten spreche ich Dinge schon klipp und klar an. Natürlich nicht permanent, aber immer, wenn ich es für sinnvoll halte. In der momentanen Lage hilft es nicht, wenn man sich ­wegduckt. So banal es klingen mag: Wir müssen jetzt hart weiterarbeiten. Ausreden gibt es keine mehr.“

Was sagst du zu dem Vorwurf, es hätte von Beginn an der Abstiegskampf ausgerufen werden sollen?
„Das muss man differenzierter sehen. In der jetzigen Lage ist es leicht, Dinge zu kritisieren, die in der Vergangenheit geäußert wurden. In unserer Situation nach dem Aufstieg war es doch normal, dass man eine gewisse Euphorie mit in die neue Saison nehmen will. Alle waren und sind sich einig, dass wir kein ­klassischer Aufsteiger sind. Wir sind über alle Maßen vom bisherigen Verlauf enttäuscht. Ich bin allerdings der Meinung, dass es viel zu früh ist, aufzugeben.“ 

Viele vergleichen die Situation mit der vor zwei Jahren …
„Damals bin ich ja erst in der Rückrunde dazuge­stoßen. Allerdings hatte man auch vor zwei Jahren andere Erwartungen an die Saison und war mit einer großen Euphorie in die Spielzeit gestartet. Aber auch damals hat man gesehen, dass man sich immer wieder herankämpfen kann. Die jetzige Situation ist alles andere als schön, aber noch lange nicht aussichtslos.“ 

In Berlin haben die mitgereisten Fans bis zum Ende Stimmung gemacht. Wie hast du das wahrgenommen?
„Die Unterstützung unserer Fans ist zu Hause und bei allen Auswärtsspielen wirklich phänomenal. Sie versuchen immer, uns nach vorne zu peitschen. In der Schlussphase in Berlin war sicher auch etwas ­Galgenhumor dabei. Ich saß ja zu diesem Zeitpunkt schon auf der Bank und habe es mitbekommen. Das ist vielleicht eine kölsche Eigenschaft, dass man auch dann feiert, wenn einem eigentlich nicht danach ­zumute ist. Wir wissen die Unterstützung sehr zu schätzen und werden sie auch in den kommenden Spielen brauchen.“ 

Zunächst empfangen wir Leverkusen. Die schwierigste der drei anstehenden Partien?
„Auch gegen Leverkusen müssen wir an uns glauben und unsere Chancen suchen. Vor zwei Jahren haben wir gegen Bayer gewonnen, womit niemand gerechnet hat. Wir müssen jetzt mal einen raushauen. In einem solchen Spiel ist alles drin. Ich bin mir sicher, dass ­unsere Fans wieder für Gänsehautstimmung sorgen und uns bis zur letzten Sekunde anfeuern werden. Danach fahren wir nach Frankfurt und es kommt Werder Bremen. Bei den beiden Teams läuft es auch nicht so, wie sie es sich vorgestellt haben. Aber wir schauen nur auf uns und unsere Aufgaben. Unsere Mannschaft hat die Qualität, in der Liga zu bleiben. Wir müssen weiter alle an einem Strang ziehen, dann werden wir auch wieder für positive Schlag­zeilen sorgen. Davon bin ich überzeugt.“

Das komplette Porträt von Simon Terodde gibt es hier oder in der GeißbockEcho-App für Apple und Android.

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Gesamttabelle
PL.VereinPkt.
121. FC Union Berlin26
131. FC Köln26
14Hertha BSC26

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