Profis | 26.04.2018

FC-Torhüter im Porträt

Timo Horn: Damals wie heute

Timo Horn ist Kölner. Und Timo Horn bleibt Kölner. Nach Marco Höger und Jonas Hector hat sich auch die Nummer Eins des 1. FC Köln zum Verein bekannt. fc.de wirft einen Blick auf Horns Entwicklung – von seinen Anfängen im Kindesalter bis zum angesehenen Stammtorhüter in der Bundesliga.

Jedes Jahr im Sommer, kurz vor Beginn einer neuen Spielzeit, werden beim 1. FC Köln die Mannschaftsfotos für die kommende Saison geschossen. Alle Teams werden fotografiert, von den Profis bis zur U8. Timo Horn kennt das Prozedere seit 16 Jahren. Seitdem spielt der gebürtige Kölner beim 1. FC Köln. Nachdem er beim SC Rondorf mit dem Fußballspielen beginnt, kommt er als Neunjähriger zum FC. Als kleiner Junge kniet er auf den Mannschaftsfotos in der ersten Reihe und lächelt mal fröhlich, mal schüchtern in die Kamera. Schon damals trägt er das Torwarttrikot. Auf den neusten Mannschaftsfotos sitzt Horn zwischen Thomas Kessler und Sven Müller. Seine Haare sind im Vergleich zu damals länger geworden, die Schultern breiter und er trägt Bart. Timo Horn ist beim FC erwachsen geworden.

Der heute 24-Jährige kommt im Mai 1993 in Köln zur Welt. Früh wird er FC-Fan und erlebt als solcher auch die ersten Abstiege des Vereins mit. Schon damals geht er mit dem FC durchs Feuer. Sein Vater und er haben Dauerkarten und sehen sich gemeinsam die Heimspiele im Stadion an. „Wir sind immer besonders früh dorthin gefahren, damit ich das Aufwärmprogramm der Torhüter sehen konnte“, erinnert sich Timo Horn an seine frühen FC-Erlebnisse. Dass er es auch selbst einmal im Tor weit bringen kann, stellt sich früh heraus. In der U12 wird Timo Horn erstmals prophezeit, dass er es schaffen könnte, Profi zu werden. Sein damaliger Trainer soll recht behalten.

Horn durchläuft sämtliche Nachwuchsmannschaften des FC und schafft zur Saison 2011/12 den ersehnten Sprung zu den Profis. Hinter Michael Rensing und Miro Varvodic ist er der dritte Torwart im Team von Stale Solbakken. Er steht häufig im Kader, bleibt in der Abstiegssaison des FC aber ohne Einsatz. Mit dem fünften Abstieg der Vereinsgeschichte ergibt sich für Timo Horn die Chance zum persönlichen Aufstieg. Er wird unter dem neuen Cheftrainer Holger Stanislawski die neue Nummer Eins des FC und gibt am 5. August 2012 in der zweiten Liga gegen Eintracht Braunschweig (0:1) sein Debüt. Fortan reift er zu einer wichtigen Konstante des FC. Horn zeichnet sich durch herausragende Reflexe und ein gutes Stellungsspiel aus. Sein Torwartspiel ist ruhig und unaufgeregt. Nicht zuletzt dank Horn schafft der FC in der Saison 2013/14 den Wiederaufstieg.

In die höchste deutsche Spielklasse startet der FC-Keeper ohne Anpassungsschwierigkeiten. Ihm gelingt, was zuvor noch niemandem in der Bundesliga gelungen ist. Als erster Torhüter bleibt Timo Horn in seinen ersten vier Bundesliga-Spielen ohne Gegentor. Seine Leistungen finden schnell nationale und internationale Anerkennung. Immer wieder wird sein Name auch bei großen Vereinen gehandelt. Doch Horn bleibt dem FC treu. Er will sich über den FC für Größeres empfehlen. Denn Timo Horn, der seit der U15 sämtliche deutsche U-Nationalmannschaften durchlaufen hat, hat einen Traum: Eines Tages möchte er in den Kader der deutschen A-Nationalmannschaft berufen werden.

2016 bekommt er einen Eindruck davon, wie es sich anfühlt, als Nationalspieler ein großes Turnier zu spielen. Im August reist er als Nummer Eins der deutschen Olympiaauswahl nach Brasilien. Dort zieht das deutsche Team als Gruppenzweiter in die K.o-Phase ein. Auch hier überzeugt Horn durch seine Leistungen. Im Viertelfinale gegen Portugal und im Halbfinale gegen Nigeria bleibt er ohne Gegentor. Im Finale trifft das deutsche Team auf Brasilien. Nach 120 Minuten muss im legendären Maracana-Stadion das Elfmeterschießen entscheiden. Deutschland unterliegt und die Enttäuschung bei Horn ist groß. Doch nach und nach weicht sie der Freude über gewonnenes Silber.

Nach seiner Rückkehr bereitet sich Horn auf die anstehende Bundesliga-Saison vor. Eine Saison, die für ihn persönlich in der Hinrunde eine tragische Wendung nimmt. Im November 2016 zieht sich der FC-Keeper die erste große Verletzung seiner Karriere zu. Er muss am Knie operiert werden und verpasst insgesamt 14 Pflichtspiele. Doch Timo Horn kehrt gewohnt stark zurück und spielt plötzlich mit dem FC um die internationalen Plätze. „Meine persönliche Entwicklung ist immer mit der Entwicklung des Vereins einhergegangen“, sagt Horn im April vergangenen Jahres über seinen Werdegang beim FC. Nur wenige Wochen später erreicht seine Karriere beim FC ihren vorläufigen Höhepunkt. Zum ersten Mal seit 25 Jahren qualifiziert sich der FC am Ende der Spielzeit wieder für den Europapokal.

Mannschaft und Fans wissen, dass dem FC eine schwierige Saison mit der Dreifachbelastung aus Liga, Pokal und Europa League bevorsteht. Doch noch niemand ahnt, dass der FC in seiner Entwicklung einen wirklich großen Rückschritt machen wird. Trotzdem bleibt Timo Horn dem FC auch in der nächsten Saison erhalten. Timo Horn hat sich beim FC verändert, sich vom schüchternen Nachwuchstalent zu einem der besten Torhüter der Republik entwickelt. Doch seine Treue ist gleichgeblieben –  damals wie heute. Er bekennt sich, auch wenn seine Entwicklung gerade einmal nicht der des Vereins entspricht. Er geht wieder für den FC durchs Feuer – dieses Mal nicht als Fan, sondern als Profi. Und er zeigt damit, dass der Verein auch bei Rückschritten nichts von seinem besonderen Reiz verliert.

"Der FC ist mein Verein, in Köln bin ich zu Hause. Deshalb habe ich immer gesagt, dass ich es mir vorstellen kann, diesen Weg mitzugehen, wenn die Perspektive stimmt. Und sie stimmt: Der FC hat trotz der schwierigen Saison hervorragende Voraussetzungen für die kommende Spielzeit geschaffen und ambitionierte Ziele", sagt der FC-Torhüter über seine Entscheidung für den FC. Im Juli dieses Jahres wird beim 1. FC Köln das neue Mannschaftsfoto für die kommende Saison fotografiert. Wer ganz vorne, in der Mitte der ersten Reihe sitzen wird, steht fest: Timo Horn. 

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Tabelle

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Gesamttabelle
PL.VereinPkt.
131. FSV Mainz 0537
141. FC Köln36
15FC Augsburg36