Club | 04.12.2019

FC-Legende

Weisweiler wäre hundert

Hans „Hennes“ Weisweiler – der erfolgreichste Trainer der FC-Historie, Namensgeber des Wappentiers und eine der größten Persönlichkeiten des 1. FC Köln – wäre am 5. Dezember 100 Jahre alt geworden.

Vom ersten Tag an gehört er zum 1. FC Köln. Schon im Kölner BC, einem der beiden FC-Vorgängervereine, war Hans Weisweiler ab 1935 aktiv. Dem aus Koblenz stammenden Teamkollegen Claus Wirz ist es zu verdanken, dass aus Hans der bis heute bekannte Hennes wurde. Zu Weihnachten 1927 hatte er den ersten Fußball bekommen, ein Jahr später wurde er Mitglied des VfB Lechenich. Die aktive Laufbahn hätte beinahe schon in jungen Jahren ein jähes Ende gefunden, denn ein Arzt diagnostizierte eine Vergrößerung des Herzens. Das vom Mediziner erteilte Bewegungsverbot befolgte der Sportenthusiast aber nur für kurze Zeit. Schulprobleme auf dem Gymnasium in Brühl, wo Weisweiler trotz des Wunsches seines Vaters, Metzger, Bäcker oder Viehhändler zu werden, gelandet war, brachten ihn auf die Höhere Handelsschule ins nahe gelegene Köln, wo er 1938 sein Abitur machte und danach eine Lehre als Lebensmittel-Großhandelskaufmann absolvierte.

Erst Leichtathlet

In Köln trat er zunächst der Leichtathletikabteilung des KBC bei, nur um sich kurze Zeit später wieder mit Begeisterung dem Fußball zu widmen. Zunächst als Mittelstürmer eingesetzt, spielte er später zumeist eine eher defensive Rolle. Während des zweiten Weltkriegs verschlug es ihn als Flaksoldat nach München. In Bayern spielte er beim FC Wacker München und in der Münchner Stadtauswahl. Zuvor war er auch schon mehrfach in der Kölner Stadtmannschaft zum Einsatz gekommen. 1945 kehrte Hennes Weisweiler in die Heimat zurück und baute beim VfB Lechenich eine neue Mannschaft auf. Doch schon kurz darauf heuerte der Mittelläufer erneut beim KBC an. Nach der Fusion des KBC mit Sülz 07 am 13. Februar 1948 war Hennes Weisweiler nur zwei Tage später Teil der Mannschaft, die im ersten Spiel als 1. FC Köln mit 8:2 gegen Nippes 12 eine gelungene Premierenvorstellung abgab. 

Schon früh strebte er auch den Trainerberuf an. Weisweiler war 1947 Teilnehmer beim ersten Trainerlehrgang an der Kölner Sporthochschule unter Sepp Herberger, den er 1948 mit der Note „Sehr gut“ abschloss. Später war Hennes Weisweiler auch als Assistent des Bundestrainers tätig und wurde dessen Nachfolger als Dozent an der Kölner Sporthochschule. Beim FC löste er am 1. September 1948 Karl Flink ab und übernahm die Funktion des Spielertrainers.

„De Boor“

Der wegen seiner ländlichen Herkunft von den Kölnern liebevoll „de Boor“ (der Bauer) genannte Fußballlehrer feierte 1949 mit dem Oberligaaufstieg des 1. FC Köln seinen ersten großen Erfolg. Bis zum Ende der Saison 1951/52 blieb Hennes Weisweiler für die sportlichen Geschicke des FC verantwortlich, ehe er zum Rheydter SV wechselte. Drei Jahre später folgte die zweite Amtsperiode als FC-Trainer. Sportlicher Höhepunkt dieser Zeit war das Erreichen der Endrunde um die Deutsche Meisterschaft 1958. Nach Differenzen mit Franz Kremer zog es ihn noch im selben Jahr zu Viktoria Köln, wo er bis 1964 unter Vertrag stand. Anschließend führte Hennes Weisweiler Borussia Mönchengladbach von der Regionalliga bis an die deutsche und europäische Spitze. Mit den „Fohlen“ gewann der passionierte Skatspieler und Hobbykegler in elf Trainerjahren drei deutsche Meisterschaften, sowie je einmal den DFB-Pokal und den UEFA-Cup. Das anschließende Engagement Weisweilers beim FC Barcelona dauerte nur gut acht Monate. Wegen anhaltender Auseinandersetzungen mit Superstar Johan Cruyff trennten sich die Katalanen und der Rheinländer im Februar 1976.

Vertragsverhandlung auf Ibiza

Der 1. FC Köln sicherte sich nach Verhandlungen in Präsident Peter Weiands Haus auf Ibiza die Zusage des Meistermachers. Hennes Weisweiler kam zum letzten Mal als Trainer ans Geißbockheim zurück. Bei den FC-Fans löste die bereits am 22. April 1976 verkündete Verpflichtung große Euphorie aus. Mehr als 10.000 Zuschauer verfolgten am 11. Juli 1976 das erste Training im FC­-Sportpark. Mit der Rückkehr des FC-Mitbegründers stellte sich auch gleich wieder zählbarer Erfolg ein. Der DFB-Pokalsieg 1977 war der erste Titel für den FC seit neun Jahren. Nur eine Spielzeit später dann der absolute Triumph: Die Weisweiler-Elf holte das Double, wurde deutscher Meister und Pokalsieger. 

Weisweiler

1979 erreichte Weisweiler mit dem 1. FC Köln das Halbfinale im Europapokal der Landesmeister. Nach fast vier Jahren am Geißbockheim verließ der Coach Köln wieder. Da weitere Erfolge ausblieben und das Verhältnis zu Präsident Peter Weiand immer schwieriger wurde, wechselte er im April 1980 zu Cosmos New York und wurde dort US-Meister. Letzte Trainerstation war Grasshoppers Zürich, wo Hennes Weisweiler ebenfalls das Double feierte.

Ein Händchen für Talente – Probleme mit den Stars

Junge, talentierte Spieler zu entdecken und zu fördern war seine Spezialität. Mit den etablierten Stars gab es häufiger Reibungspunkte, wie die Differenzen mit Günter Netzer zum Ende der Gladbacher Amtszeit, mit Johan Cruyff in Barcelona, mit Giorgio Chinaglia in New York oder Wolfgang Overath in Köln belegen. „Du oder ich“ lautete dann die Devise. Hennes Weisweiler war getrieben von unbändigem Siegeswillen. „Niederlagen sind eine ernsthafte Sache“, sagte er einst in einem Interview. An sich und andere stellte er höchste Anforderungen, verabscheute Kompromisse. Unzählige Geschichten und Anekdoten ranken sich um Hennes Weisweiler, der mit seiner knurrigen Reibeisenstimme nach außen zuweilen bärbeißig und unfreundlich wirkte. Dabei verabscheute er vor allem Ungerechtigkeiten gegen Schwächere. „Andere hauen auf den Schwachen rum, ich packe mir die Köpfe“, lautete eine seiner Maximen.

Den Trainerlehrgang der Sporthochschule Köln leitete Hennes Weisweiler von 1957 bis 1970. In 13 Lehrgängen absolvierten 255 Teilnehmer in diesem Zeitraum ihren Trainerschein. Heute trägt die zentrale Ausbildungsstätte des DFB zum Erwerb der Fußballlehrerlizenz mit Sitz in Hennef den Namen Hennes­Weisweiler-Akademie. Hennes Weisweiler formte FC-Legenden wie Hans Schäfer, Jupp Röhrig oder Heinz Flohe zu internationalen Top-Spielern, förderte Talente wie Pierre Littbarski oder Bernd Schuster. 

Weisweiler

Er starb in den Morgenstunden des 5. Juli 1983 in seinem Haus im schweizerischen Aesch am Zürichsee an den Folgen eines Herzinfarktes. Noch in den Wochen vor seinem Tod hatte Hennes Weisweiler gemeinsam mit dem Schweizer Journalisten Mario Widmer ehemalige Wirkungsstätten wie das Geißbockheim oder sein altes Stammlokal „Zur Traube“ in Kleinenbroich besucht. Die Trauerfeier in Köln glich einem Staatsbegräbnis. Mehr als 20.000 Trauergäste hatten sich im und um den Kölner Dom versammelt, darunter unzählige Persönlichkeiten aus Sport, Politik und Kultur. Seine letzte Ruhestätte fand Hennes Weisweiler in seinem Heimatort Erftstadt-Lechenich. Beim 1. FC Köln wird Hennes Weisweiler auf ewig unvergessen bleiben, nicht nur wegen seiner großen Erfolge – Geißbock Hennes trägt seit dem 13. Februar 1950 den Namen des legendären Trainers.

Erfolge als FC-Trainer

Deutscher Meister 1978, Deutscher Pokalsieger 1977, 1978, DFB-Pokal-Finalist 1980 

Weitere Erfolge als Trainer

Deutscher Meister 1970, 1971, 1975, Deutscher Pokalsieger 1973, UEFA-Pokalsieger 1975, USA-Meister 1982, Schweizer Meister 1983, Schweizer Pokalsieger 1983

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