Profis | 03.02.2015

Interview mit Timo Horn

Wo alles begann

Seit Timo Horn neun Jahre alt ist, spielt er für den 1. FC Köln. Die ersten Bälle aber hielt er auf dem Ascheplatz des SC Rondorf. Im GeißbockEcho spricht er über Pfützen, Goldkettchen und Flugparaden.

Auf Bolzplätzen gilt die alte Regel: Der schlechteste muss ins Tor. War das bei dir auch so?

(lacht) Nein, bei mir war es freiwillig. Meine Mutter erzählt immer, ich hätte als Kind gesagt: Ich will in diesen Kasten rein. Warum, weiß ich heute nicht mehr. Jedenfalls wollte ich nach der WM 1998, die ich als erstes großes Turnier bewusst wahrgenommen habe, unbedingt in einen Fußballverein. Wir haben damals in Rondorf gewohnt, deshalb war es naheliegend, beim SC Rondorf anzufangen. Und wie der Zufall es dann wollte, spielte der Junge, der dort bisher immer im Tor stand, sowieso lieber im Feld. Er hat sich also gefreut, als ich kam und ins Tor wollte.

Was geht in dir vor, wenn du heute den Ascheplatz in Rondorf betrittst?

Da wird mir bewusst, dass dort die Grundlage gelegt wurde für alles, was danach gekommen ist. Mit diesem Ort verbinde ich viele Erinnerungen, es war eine schöne Zeit. Der Platz dort ist zwar nicht gut, er hat kaum eine Drainage, das Wasser fließt nicht ab. Aber trotzdem habe ich mich jedes Mal wahnsinnig gefreut, dort zu spielen und mich in jeden Ball geschmissen – egal wie stark es geregnet hat oder was für Pfützen auf dem Platz waren. Da ist man heute sehr eitel geworden, wenn man auf Rasen trainiert und sich dann noch über den Platz beklagt.

Pfützen sind für Torhüter eine willkommene Ausrede. Da kann man nach Gegentoren immer sagen: Platzfehler.


Das mache ich heute noch. Ich bin sowieso nie schuld (lacht).

Hast du aus der Zeit in Rondorf etwas mitgenommen, das heute noch wichtig ist für dein Spiel?


Mein Vater war die ersten Jahre in Rondorf unser Co-Trainer. Er hat mir schon früh viel mit auf den Weg gegeben. Er hat damals immer hinter dem Tor gestanden und mir gesagt, wann ich rauslaufen oder den Winkel verkürzen soll. Davon profitiere ich bis heute.

War dein Vater auch Keeper?

Nein, er war Feldspieler bei Fortuna Köln und hat es dort auch bis in die 2. Liga geschafft, sich mit 18 aber schwer verletzt. Aus dieser Zeit kannte er die andere Seite, die des Feldspielers. Er wusste, was in einem Angreifer vorgeht, der auf mich zukommt – und konnte mir deshalb Tipps geben.

Wann wurde dir bewusst, dass du talentiert bist?

Es ging eigentlich direkt ganz gut los. Bei Rondorf habe ich es wohl vom ersten Training an relativ gut gemacht. Jedenfalls hat der Trainer direkt gesagt, dass ich gerne da bleiben darf – obwohl das vielleicht auch daran lag, dass erder Vater des Jungen war, der nicht mehr im Tor bleiben wollte (lacht). In der U12 beim FC hat dann erstmals ein Trainer zu mir gesagt, dass ich es schaffen könnte, Profi zu werden.

Du bist als Neunjähriger zum 1. FC Köln gewechselt. Wie kam das zustande?

Ich bin zum Probetraining beim FC gegangen, ich durfte danach noch mal mittrainieren und irgendwann kam dann der Anruf, dass ich zur neuen Saison dort spielen darf. Ich weiß noch, dass ich da gerade draußen Inline-Hockey gespielt habe. Meine Eltern haben mich rein¬geholt und mir gesagt, dass man mich beim FC haben will. In dem Moment ist für mich ein Traum in Erfüllung gegangen. Der FC war für mich, der bisher nur auf dem Dorf gespielt hatte, ein Riesenverein, eine ganz andere Welt.

Warst du damals schon FC-Fan?

Mein erstes Trikot war zwar von Bayern, das war damals in meiner Schultüte, aber da war ich nur für kurze Zeit auf dem falschen Ast, das hat sich schnell gelegt und seitdem bin ich FC-Fan. Mein Vater und ich hatten Dauerkarten und sind zu jedem Heimspiel gegangen, das war noch zu Zeiten des Müngersdorfer Stadions. Wir sind immer besonders früh dorthin gefahren, damit ich das Aufwärmprogramm der Torhüter sehen konnte. Die ersten FC-Keeper, an die ich mich erinnere, waren Markus Pröll und Alex Bade, der ja jetzt mein Torwarttrainer ist. Für mich war das faszinierend, sie zu beobachten. Ich habe versucht, mir möglichst viel abzuschauen.

Was zum Beispiel?

Mein Vater und ich haben uns ihre Übungen genau angesehen und versucht, sie nachzumachen. Weil Markus Pröll immer mit Goldkettchen gespielt hat, habe ich auch eine Zeit lang immer ein Goldkettchen getragen. Ich habe mich damit dann viel stärker gefühlt.

Das komplette Interview mit Timo Horn gibt es im aktuellen GeißbockEcho.

 Die App des GeißbockEchos für das iPad und Tablet-PCs (Samsung Galaxy Tab etc.) ist über „iTunes“ beziehungsweise im „google play store“ erhältlich. Zusätzlich wird das e-GeißbockEcho für alle, die keinen iPad oder Tablet-PC besitzen, als multimediale Browser-Version sowie als PDF im Mitgliederbereich hinterlegt.

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Gesamttabelle
PL.VereinPkt.
131. FSV Mainz 0537
141. FC Köln36
15FC Augsburg36