Nachwuchs | 30.04.2019

Traningscamp für FC-Talente

Kleine Kicker, große Tricks

In den Osterferien hat am Geißbockheim ein Trainings­camp für die FC-Talente der Mannschaften U8 bis U11 stattgefunden. Fußballfreude, die man nicht nur auf dem Platz sah, sondern auch aus den ­Kabinen hörte.

Mit einem gekonnten Trick lässt Diego zwei Gegenspieler aussteigen und schießt den Ball flach ins lange Eck. Kurz danach wird das Spiel auch schon abgepfiffen. Die orangenen Leibchen gewinnen mit 2:1 gegen die gelben. Jubelnd springen sich die Nachwuchsspieler in die Arme. Dabei ist es nur ein Trainingsspiel. Doch in dem Zusammenhang gibt es die Bezeichnung „nur“ in der Altersklasse U8 und U9 nicht. „Die Jungs haben Spaß am Fußball und freuen sich über jedes Tor und jedes gewonnene Spiel – völlig egal, ob im Training oder im Wettkampf“, sagt Sebastian Heuel, Trainer der U8 und Sportlicher Leiter des Grundlagenbereichs des Nachwuchsleistungszentrums. „Es macht unheimlich Spaß in diesem Altersbereich zu arbeiten. Als Trainer bekommt man von den Jungs immer ein ehrliches Feed­back. Wenn ein Kind glücklich ist, traurig oder sauer, sieht man das sofort. Kinder verstellen sich nicht.“ 

Kleine Kicker mit großen Tricks
Kreatives und mutiges Spiel ist im FC-Nachwuchsleistungsbereich ausdrücklich erwünscht. Die FC-Talente dürfen Finten und Tricks ausprobieren. Das klappt an diesem Trainingstag bei der U8 und der U9 sehr gut, auch wenn die Bälle wesentlich größer sind als die kleinen Fußballschuhe. Gianluca machte einen Übersteiger, Ivan probiert erfolgreich den Zidane-Trick. Das Ferientrainingscamp des 1. FC Köln geht über drei Tage und die Spielfreude sieht man den kleinen Kickern deutlich im Gesicht an. Schon morgens um 10 Uhr, wenn der Trainingstag beginnt und auch noch um 15 Uhr, wenn er endet. Mittags gibt es eine größere Pause und ein gesundes Essen, um die kleinen Körper wieder zu stärken. Gitta Schiller, die gute Seele der Nachwuchshütte, kümmert sich liebevoll um die hungrigen FC-Talente. Bis zu 100 Essen täglich verteilt sie in der Trainingscampwoche. Heute gibt es Lasagne. „Lecker“, klingt es aus 13 Kinderkehlen gleichzeitig. „Wenn die kleinen Jungs nach dem Essen extra nochmal kommen und sich bedanken, weil es ihnen so gut geschmeckt hat, oder sich mit einer Umarmung verabschieden, da geht einem das Herz auf“, sagt Gitta Schiller. Nach der Mittagspause geht es für die kleinen Kicker zurück auf den Trainingsplatz. Techniktrainer Toninho hat anspruchsvolle Übungen für die FC-Talente vorbereitet. Sie sollen blitzschnell erkennen, ob sie den Ball am besten mit einem Kontakt weiterleiten oder eine Finte einbauen. Außerdem müssen sie Lücken in der jeweiligen Spielsituation finden, die der Gegenspieler nicht zustellen kann. „Es ist schön zu sehen, wie motiviert die Spieler sind. Für sie gibt es nichts Schöneres als stundenlang Fußball zu spielen“, sagt Toninho. 

Sich umeinander kümmern

Die Spielfreude steht beim Trainingscamp im Vordergrund, aber die FC-Trainer nutzen auch die Gelegenheit, ihren Spielern die altersspezifischen Inhalte noch intensiver als sonst vermitteln zu können. Die Voraussetzung dafür ist allerdings auch eine altersgerechte Ansprache. „Es sind einfache Beispiele, aber man muss sich angewöhnen, auf dem Platz von Anspielmöglichkeiten zu sprechen und nicht von Optionen“, erklärt U8-Trainer Heuel. Bei den Trainingsspielen kullern in diesem Altersbereich nach Zweikämpfen auch schon mal ein paar Tränen die kleinen Wangen hinunter. Nach tröstenden Worten des Trainers ist der Schmerz aber schnell wieder vergessen. Die FC-Talente lernen zudem auch, sich um­einander zu kümmern. Im Trainingsspiel der U8 bleibt ein Spieler kurz liegen, nachdem er von seinem Gegen­spieler am Bein getroffen wurde. Der kleine Übeltäter beugt sich danach sofort über den Gefoulten. „Wie geht’s dir“, fragt er, während er seine Hand auf die Schulter des kleinen Kickers legt, der sich sein Bein hält. „Es geht schon wieder“, antwortet der – und ­einen Augenblick später wird das Spiel mit vollem Einsatz fortgeführt. 

Im April nahm die U8 zum ersten Mal an einem ­Fußballturnier mit Übernachtung teil. Samstags um 10 Uhr morgens trafen sich alle am Geißbockheim und packten ihre Schlafsäcke, Isomatten und Luft­matratzen in den Bus. „Man hat den Jungs angemerkt, dass sie ein bisschen aufgeregt waren“, sagt Heuel. Mit dem Bus fuhren die 13 Spieler mit drei Trainern nach Heessen, einem Stadtteil von Hamm. Zu Mittag gab es Nudeln mit Bolognese und am Nachmittag startete das international besetzte Turnier. Die U8 trat mit zwei Teams an, auf dem Kleinfeldern spielten jeweils vier Spieler plus Torwart gegeneinander. Im Sinne der vielseitigen Ausbildung wurde beim FC auch die Torhüterposition durchgewechselt. 

Ausbildung schlägt Ergebnis
Der FC traf auf die italienischen Vertreter Juventus ­Turin und den FC Genua und spielte gegen Slask Wroclaw aus Polen. Geschlafen wurde in zwei Räumen eines Gemeindehauses, einer für die Spieler, einer für die Trainer. Und auch wenn es für einige FC-Talente die erste Übernachtung ohne Eltern war, gab es von Heimweh keine Spur. Mit Zahnbürsten bewaffnet steuerten sie das große Badezimmer an und ließen sich anschließend müde vom Tag in ihre Schlafsäcke fallen. In den Gruppenspielen hatten sich die kleinen FC-Kicker zuvor für die Goldrunde am Sonntag quali­fiziert, das Spiel gegen Juventus verlor der FC dort unglücklich mit 2:4. Den Titel gewann ­später kein ­italienischer Club. Juve musste sich im Endspiel gegen Luton Town aus England geschlagen geben. Die beiden FC-Teams landeten auf dem 5. und 13. Platz – das hatte aber nur eine untergeordnete ­Bedeutung. „Die Ausbildung ist für uns wichtiger als das Ergebnis“, sagt Jan Schäfer, Sportlicher Leiter U8 bis U14. „In der Altersklasse hat man kurzfristig mehr Erfolg, wenn man viele lange Bälle nach vorne schlägt. Das ist aber nicht unser Weg. Wir möchten, dass unsere Jungs schon frühzeitig eine gute Technik lernen und einen sauberen Spielaufbau versuchen.“ 

Nach drei tollen Trainingstagen endete für die FC-Nachwuchsspieler das Feriencamp am Geißbockheim. Während die Eltern in der Sonne auf ihre Kinder warteten, zogen sich die Nachwuchstalente in den Umkleidekabinen des Geißbockheims um. Aus der ­Kabine der U11 schallte unterdessen eine bekannte Melodie. Die FC-Talente sangen für zwei Mitspieler ein Geburtstagsständchen. Sie hatten sich aber gegen das Lied Happy Birthday entschieden. Stattdessen schmetterten sie leidenschaftlich die FC-Hymne so laut sie konnten. Textsicher, auf Kölsch und mit der gleichen Freude, mit der sie auch schon auf dem Platz gekickt hatten – und mit spürbarer Identifikation für ihren FC. 

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PL. Verein Pkt.
16 1. FSV Mainz 05 9
17 1. FC Köln 7
18 SC Paderborn 07 4

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