Profis | 30.12.2020

Interview im GeißbockEcho

Salih Özcan: „Das Gefühl gehört dazu“

Salih Özcan hat einen pickepacke vollen Terminkalender 2021 vor sich: 21 Bundesligaspiele, mindestens noch ein DFB-Pokalspiel, die U21-EM und womöglich die Olympischen Spiele. Ein anspruchsvolles Programm, das das FC-Eigengewächs nicht aus der Ruhe bringt. Nach ­einem Jahr in Kiel kehrte der 22-Jährige im Sommer als gefühlter ­Routinier zurück ans Geißbockheim.

Salih, wie hast du die freie Zeit über die Feiertage verbracht?
„Ich war in Köln und habe mich überwiegend zu Hause ausgeruht. Die Pause war ja auch nur kurz und in der aktuellen Lage mit Corona kann man ja bis auf ein paar kurze Ausflüge aufs Land eh nichts unternehmen. Wenn alles wie immer gewesen wäre, wäre ich wahrscheinlich kurz in die Sonne geflogen. Aber so war es auch okay und man hatte etwas Zeit zum Regenerieren. Im Islam feiern wir ja kein Weihnachten, aber trotzdem mag ich die Weihnachtszeit sehr.“

Was gefällt dir besonders an der Weihnachtszeit?
„Überall herrscht ein herzliches Gefühl und viele ­Menschen sind fröhlich, lächeln und besinnen sich auf die wichtigen Dinge im Leben – das Miteinander und gegenseitige Hilfe. Das könnte ruhig häufiger der Fall sein. In den vergangenen Jahren haben wir immer vor Weihnachten das Kinderkrankenhaus in Köln besucht. Das war ja dieses Jahr leider auch nicht möglich, dabei ist das ein schöner und sehr wichtiger Termin für alle. Man realisiert dann umso mehr, wie gut es einem geht und welche Nöte und Sorgen viele Menschen ­haben. Da werden die Probleme von uns privilegierten Fußballern klein und fast schon lächerlich.“

Die Bundesliga ist – maßgeblich bedingt durch die Corona-bedingte Spielplanverschiebung – nicht in eine längere Winterpause gegangen. Wie wirkt sich das auf euch Spieler aus?
„Wenn man sieht, wie viele Teams und Spieler Probleme mit häufigen Verletzungen haben, dann erkennt man, dass die Belastung schon sehr hoch ist. Wir hatten vier Tage frei, aber das ist ja nicht wirklich als Pause zu bezeichnen. Wir haben alle regeneriert und aufgepasst, dass wir kein Risiko eingehen, uns mit Corona anzustecken. Mit der Lage gehen wir aber jetzt schon mehrere Monate um, und wir machen das Beste ­daraus.“

Seit Ausbruch der Pandemie lief es beim FC sportlich nicht mehr so rund – bis dann in Dortmund endlich der Knoten geplatzt ist. Wie wichtig war der erste Saisonsieg?
„Total wichtig! Es war ein holpriger Saisonstart, wobei wir einfach auch die Zeit gebraucht haben, um uns als Team zu finden. Gegen Dortmund hat man gemerkt, dass wir unbedingt gewinnen wollten, dass wir unbedingt diese Negativserie beenden wollten – egal wer da vor uns steht. Klar, Dortmund ist eine starke Mannschaft, aber wir hatten das gewisse Feuer in uns. ­Diesen Schwung konnten wir in die Spiele gegen Wolfsburg und Mainz mitnehmen. Gegen Wolfsburg, die bis dahin ungeschlagen waren, haben wir verdient einen Punkt geholt. Und der Sieg gegen Mainz war ­genauso verdient und wichtig. Leider haben wir uns gegen Leverkusen von Beginn an zu sehr unter Druck setzen lassen. Dabei muss man aber auch einsehen, dass Leverkusen in überragender Form war. Sie haben das enorm gut gemacht und uns kaum Luft zum ­Atmen gelassen. Durch die frühen Gegentore hatte Leverkusen dann Oberwasser und hat nichts mehr ­anbrennen lassen.“

Umso wichtiger dann der Punkt in Leipzig sowie das Weiterkommen im DFB-Pokal gegen Osnabrück.
„Wie der Trainer es richtig gesagt hat: Das Unentschieden in Leipzig war ein goldener Punkt. Wir konnten unseren Aufwärtstrend damit bestätigen und auf Abstand zu den Abstiegsrängen bleiben. Der Sieg gegen Osnabrück war für uns Pflichterfüllung. Die Osna­brücker konnten als Underdog ja eigentlich nichts ­falsch­ machen und wir hatten als Bundesligist den Druck. Ich finde, wir haben unsere Aufgabe gut gelöst und können sagen: Hauptsache weiter (lacht).“

Wie gut haben die letzten Ergebnisse eurem Selbstvertrauen getan?
„Man merkt, dass allen diese Erfolgserlebnisse guttun. Alle schöpfen Selbstvertrauen daraus – das wirkt sich auf das Training aus. Es geht insgesamt lockerer und mit besserer Laune zu. Dann traut sich jeder einzelne auch wieder mehr zu. Wir haben es gemeinsam aus einer schwierigen Phase rausgeschafft, sind aber noch lange nicht am Ziel. Es liegt noch viel Arbeit vor uns.“

Sechs Pflichtspiele stehen allein im Januar auf dem Programm.
„Im Dezember hatten wir ja auch schon fünf Spiele in 18 Tagen – da werden uns sechs Spiele in 30 Tagen nicht aus der Bahn werfen. Wichtig ist einfach, dass jeder auf seinen Körper achtet und man eine gute ­Balance zwischen Belastung und Regeneration findet.“

Du bist mit 22 Jahren einerseits noch sehr jung, aber gehörst gleichzeitig zu den erfahreneren Spielern im Team. In welcher Rolle siehst du dich selbst und wie interpretierst du diese?
„Wenn man genauer drüber nachdenkt, ist schon eine lange Zeit vergangen. Im September 2016 habe ich bei den Profis debütiert und seitdem ist unheimlich viel passiert. Ich bin sehr glücklich darüber, dass ich in meinem jungen Alter schon so viel erlebt habe. Als 22-Jähriger schon als erfahren zu gelten, ist im Fußball enorm von Vorteil. Für junge Spieler ist die Situation, besonders im Abstiegskampf, nicht leicht. Ich habe die Emotionalität damals, als ich Profi geworden bin, auch schon miterlebt. Von der Europa-League-­Qualifikation über den Abstieg und dann wieder Aufstieg – das war schon sehr intensiv. Deswegen gebe ich meine Erfahrung gerne an die ganz jungen Spieler weiter. Aber die machen ihre Sache auch sehr gut. Das ist gut für das Team und gut für den FC. In unserer Mannschaft kann sich jeder zu Wort melden und ­konstruktiv und offen sprechen – ich nehme da keine spezielle Rolle ein. Ich fühle mich sehr wohl und komme mit jedem im Team sehr gut klar. Ich bin schon so lange beim FC – es kennt mich hier ja auch jeder (lacht).“

Das komplette Interview mit Salih Özcan gibt es hier oder in der GeißbockEcho-App für Apple und Android.

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PL.VereinPkt.
16Hertha BSC26
171. FC Köln23
18FC Schalke 0413

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