Profis | 09.05.2019

Interview im GeißbockEcho

Schmid und Pawlak: Die Chemie stimmt

Seit dem 27. April 2019 sind André Pawlak und Manfred Schmid das ­Trainerteam der FC-Profis. Das Engagement ist bis Saisonende geplant. Mit dem Sieg in Fürth haben sie das Saisonziel perfekt gemacht, ­wissen aber, wem der Dank gebührt. Pawlak und Schmid über die Unberechen­barkeit des Fußballs, ihre Werdegänge und Pläne für die Zukunft.

André, Manfred, herzlichen Glückwunsch. Ihr seid als Aufsteiger aus Fürth zurückgekehrt. Inwiefern habt ihr die aktuelle Situation schon realisiert?
André Pawlak: Mein Anteil ist sehr gering an diesem Aufstieg. Markus Anfang und sein Team haben 31 Spiele betreut, wir haben jetzt ein Spiel gemacht. Natürlich sind wir uns der Tatsache bewusst, dass wir jetzt den entscheidenden Schritt getätigt haben, aber den Mammut-Anteil haben andere geleistet. Für ­Markus und sein Team tut es mir menschlich sehr leid, dass es diese Entwicklung genommen hat. Das lag aber nicht in meiner Hand, und auch deshalb fällt es mir nicht schwer, die Lage zu realisieren. Ich bleibe immer auf dem Boden und weiß es einzuschätzen.

Manfred Schmid: Realisiert habe ich die Tatsache schon, dass wir den Aufstieg jetzt geschafft haben, aber den Hauptteil der Arbeit, wie André schon gesagt hat, hat die Mannschaft und das Team um Markus Anfang geleistet, wozu man nur gratulieren kann. Ich habe gerne dabei geholfen, die Mannschaft über die Ziellinie zu schubsen. Es war ein sehr intensives und auch ein sehr gutes Spiel von uns. Aber die Freude, die Emotionen und die Erleichterung waren sehr groß bei den Spielern.

Manfred, für dich ist es ja jetzt der zweite Aufstieg. Wie fällt dein Vergleich aus?
Manfred Schmid: Das lässt sich nicht vergleichen. Wenn ich zurückdenke an die Zeit ab 2013 mit finanziellen Problemen und nur acht Spielern im Kader, dann war das eine völlig andere Ausgangslage. Außerdem war ich von Beginn an dabei. Jetzt habe ich den Job ins Ziel bringen dürfen. Trotzdem ist die Freude riesig, weil ich mit dem FC schon viele erfolgreiche und emotionale Momente erlebt habe.

Am 27. April wurde der Trainerwechsel vollzogen. Wie hat sich der Tag aus eurer Sicht abgespielt?
André Pawlak: Ich habe bis zum Spielbeginn mit der U21 gegen Wiedenbrück nichts erfahren. Es kursierten nur Gerüchte in der Kölner Medienlandschaft, aber das ist ja hier normal. Die Abläufe in der Vorbereitung auf das Spiel der U21 waren völlig normal. Nach dem Spiel hat mir dann unser NLZ-Leiter Matthias Heidrich gesagt, dass ich mich bei Armin Veh melden soll. Mir war dann schon klar, dass dies nicht nur auf einen netten Plausch bei einem Kaffee hinauslaufen wird. Ich habe mir sofort Gedanken gemacht. Im Grunde habe ich für mich schnell entschieden, dass ich die Aufgabe bei den Profis für die restliche Saison übernehmen würde. Wichtig war mir aber auch, dass die U21 aus der Gefahrenzone raus war und ich sie in ­ruhigem Fahrwasser hinterlassen konnte.

Manfred Schmid: Ich habe schon etwas früher einen Anruf bekommen. Mir war auch sofort klar, dass ich für jede Aufgabe zur Verfügung stehen würde. Zum einen, weil ich mir die Aufgabe zutraue und zum ­andern, weil ich gerne dabei helfe, dass der FC seine Ziele erreicht.

Wer war in eure Entscheidungsfindung involviert?
André Pawlak: Ich habe auf dem Weg zum Geißbockheim meine Frau angerufen, dass ich erst viel später zu Hause sein würde. Aber auch für meine Frau war sofort klar, dass ich diese Aufgabe annehmen muss. Meine Familie steht voll und ganz hinter mir seit ­mittlerweile schon 19 Jahren als Trainer.

Manfred Schmid: Natürlich habe ich mich mit meiner Familie abgesprochen. Mir und uns war allerdings ebenso schnell klar, dass ich die Aufgabe annehmen würde.

Ihr habt beide eine umfangreiche Trainerhistorie und bereits FC-Vergangenheit. Manni, du bist mit Peter Stöger zum BVB gegangen, aber anschließend in Köln wohnen geblieben. Gab es Überlegungen, die Zelte in Köln abzubrechen und nach Wien ­zurückzukehren?
Manfred Schmid: Wir, also meine Frau, mein Sohn und ich, hatten die klare Absprache, dass wir für mindestens ein Jahr noch in Köln bleiben wollen. Mein Sohn hat Arbeit in einer Behindertenwerkstatt gefunden, die ihm großen Spaß macht und wir alle fühlen uns hier einfach sehr wohl und haben einen Freundeskreis aufgebaut. Es hätte sich ja auch in der Nähe ein anderer Job für mich auftun können, dann hätten wir den Lebensmittelpunt in Köln belassen. Umso schöner, dass es sich so entwickelt hat, wie es jetzt ist.

André, du hast vor deiner Trainer-Laufbahn als Sport- und Chemie-Lehrer gearbeitet. Wie viel von deinem alten Job spielt noch eine Rolle beim Beruf als Trainer?
André Pawlak: Ich habe nach meinem Abitur eine Ausbildung zum Chemikanten gemacht, habe in dem Job ein Jahr gearbeitet und danach Sport studiert. ­Später bin ich dann als Quereinsteiger in den Lehrer-­Beruf gewechselt und konnte aufgrund meiner Ausbildung und einer Zertifizierung dann auch Chemie unterrichten. Auf den Job als Fußballtrainer über­tragen, ist ein großer Teil der Pädagogik unerlässlich. Sonst kann man eine große Gruppe von Spielern, ­Trainern und Betreuern nicht führen. Der Umgang mit einer Gruppe hat, auch wenn die Altersstruktur eine andere ist, immer die gleichen Ansätze. Je nachdem ändert sich dann eben der Ton in der Ansprache.

Gibt es denn auch Aspekte des Unterrichtsfachs ­Chemie, die im Fußball nützlich sein können?
André Pawlak: Im Grunde das Wichtigste – die Chemie muss stimmen (lacht). Bei Manfred und mir trifft das tatsächlich zu. Zum einen sind wir eine Generation, unsere Geburtstage liegen sogar nur wenige Tage auseinander. Zum anderen haben wir sehr viele Gemeinsamkeiten in unseren Ansichten vom Fußball.

Das komplette Interview mit André Pawlak und Manfred Schmid gibt es hier oder in der GeißbockEcho-App für Apple und Android.

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