Profis | 27.09.2019

Porträt im GeißbockEcho

Sebastiaan Bornauw: Prägende Zeiten

Man muss hart arbeiten, um etwas zu erreichen. Das klingt wie der Ratschlag eines Spielers mit reichlich Lebenserfahrung – stammt aber vom erst 20-jährigen Sebastiaan Bornauw. Der belgische Neu­zugang des 1. FC Köln ist für sein Alter bemerkenswert abgeklärt und reflektiert. Das hat Gründe.

Sebastiaan Bornauw ist Belgier. Aber er wird in Paris eingeschult und absolviert sein erstes Fußballspiel auf einem Ascheplatz in Marokko. Zeichen einer ­bewegten Kindheit voller Veränderungen. Vater ­Kenneth ist Marketingmanager eines weltweit ­agierenden Konzerns. Schon als Sebastiaan vier Jahre alt ist, ziehen die Bornauws für zwei Jahre nach Paris. Dies hat einen Wechsel auf eine französische Schule zur Folge. „Zu Hause haben wir Flämisch ­gesprochen, aber in der Schule Französisch. Das war kein Problem.“ Glücklicherweise sind beides belgische Amtssprachen. Nach zwei Jahren in Paris geht die ­Reise weiter nach Marokko. Casablanca ist für die nächsten rund zweieinhalb Jahre Lebensmittelpunkt.

In der westmarokkanischen Hafenstadt schließt sich Sebastiaan erstmals einem Fußballverein an. Bei ­Wydad Casablanca herrschen Bedingungen, die mit mittel­europäischen Verhältnissen nicht im Geringsten zu vergleichen sind. „Wir haben auf einem Platz gespielt, der eher ein Sand- beziehungsweise Ascheplatz war.“ Es gibt weder echte Fußballtore noch alters­gerechte Trainingskonzepte. „Es würde zu weit gehen, wenn man es Fußballtraining nennen würde. Ein ­Trainer hat je zwei Hütchen als Tore aufgestellt und dann haben wir fünf gegen fünf gespielt.“ Trotzdem ist es eine der frühen Erfahrungen, die maßgeblich zur Charakterschulung und Horizonterweiterung des ­jungen Belgiers beitragen. „In meinem Team spielten Kinder, die aus verschiedenen Ländern stammten. Ich konnte damals schon ganz gut kicken und durfte deswegen auch viel bei den einheimischen Jungs mitspielen. Das war ­positiv und hat mich schnell ­integriert.“

Bornauws in Casablanca

Aber auch die Schattenseiten des Lebens sind ­Sebastiaan aus diesen Jahren in Marokko noch gut in Erinnerung. „Wenn man dort lebt, begegnet man viel Armut. Wir hatten zwar ein Haus, aber nur wenige Minuten entfernt haben Menschen in provisorischen Hütten gelebt. Ich habe mich damals als Kind gefragt, warum das so ist.“ Es bleibt nicht bei Fragen. Familie Bornauw handelt und macht ihr Möglichstes, um bedürftigen Menschen zu helfen. „Wir haben versucht, viel abzugeben und zu teilen. Wir hatten ja genug
und konnten Klamotten oder Schuhe an Bedürftige abgeben.“ Sebastiaans Mutter Elke arbeitet in Marokko nicht und fährt deshalb ihren Sohn immer zur Schule und zum Training. „Manchmal haben wir andere ­Kinder im Auto mitgenommen. Das hat sich natürlich rumgesprochen. So waren dann schon mal fünf ­Kinder dabei. Als Kind hat mich das schon mal ­gewundert. Heute habe ich noch mehr Verständnis dafür, warum meine Mutter das gemacht hat.“

Die Zeit in Casablanca sieht Sebastiaan Bornauw heute als prägend an. „Eine solche Auslandserfahrung be­reichert dich. Ich habe schon früh realisiert, dass ich privilegierter lebe als viele andere Kinder. Deswegen habe ich mir immer vorgenommen, so hart wie möglich zu arbeiten, um Chancen nicht ungenutzt zu lassen.“ Die nächste Chance soll sich in Brüssel ergeben – ­Familie Bournauw zieht zurück in die Heimat. Sebastiaan will unbedingt weiter Fußball spielen und schließt sich zunächst für ein Jahr einem kleinen Verein nahe des neuen Wohnhauses der Familie im Norden Brüssels an. Dann aber wird die Jugend­akademie des belgischen Rekordmeisters auf das schon früh groß­gewachsene Talent aufmerksam.

Mit zehn Jahren geht Seb, wie ihn Freunde schon seit der ­Kindheit rufen, zum RSC Anderlecht. Dort durchläuft er fortan die ­Jugendteams und entwickelt sich zum Juniorennationalspieler. Vater Kenneth Bornauw wechselt für seinen Sohn sogar die Stelle und übernimmt einen Posten bei einer Firma in Brüssel. In ­seinem alten Job wären weitere Umzüge unvermeidlich gewesen, was für die schulische und fuß­ballerische Ausbildung des Sohnes wenig förderlich ­gewesen wäre.

Förderlich jedoch ist die Nachwuchsarbeit in Anderlecht für Sebastiaans Fußballtalent. Schon früh steht der Berufswunsch Fußballprofi im Mittelpunkt. „Für mich war das Ziel immer klar. Natürlich haben meine Eltern auch immer großen Wert auf meine schulische Ausbildung gelegt. Mit 16 Jahren hätte ich zum Beispiel schon nach England wechseln können.

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Das komplette Porträt von Sebastiaan Bornauw gibt es hier oder in der GeißbockEcho-App für Apple und Android.

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