Profis | 19.07.2021

Co-Trainer im Interview

Wagner: „Beckham habe ich zweimal verpasst“

René Wagner ist als neuer Co-Trainer gemeinsam mit Steffen Baumgart zum 1. FC Köln gewechselt. Die beiden kennen sich aus ihrer gemeinsamen Zeit beim SC Paderborn. Im Interview spricht der 33-Jährige über seine ersten Eindrücke beim FC – und erzählt, wieso es ihn von Hawaii über Miami zunächst nach Ostwestfalen und dann in die schönste Stadt Deutschlands verschlagen hat.

René, beim Blick auf dein Linkedin-Profil fällt auf, dass schon jetzt eine spannende Vita hinter dir liegt. Du hast auf Hawaii BWL studiert – ein exotischer Studienort. Wie kam es dazu? 
Ich bin als Regionalliga- und Oberligaspieler mehrere Jahre durch Deutschland getingelt. Parallel habe ich von 2011 bis 2015 an der TU in Dresden meinen Bachelor in BWL gemacht. Während des Studiums hat mich eine Agentur angesprochen, ob ich mir vorstellen könnte, mit einem Fußballstipendium in die USA zu gehen. Ich habe den Schritt gewagt und durfte nach Hawaii, wo ich zwei Semester meines Bachelorstudiums verbracht und für die Unimannschaft Fußball gespielt habe. Ich fand das Land sehr spannend und habe mich schnell in die Insel verliebt. 

Trotzdem bist du aber nach einem Jahr – im Sommer 2013 – erst einmal nach Deutschland zurückgekehrt. Wieso?
Weil ich noch einmal die Chance hatte, parallel zum Studium in der Regionalliga zu spielen. Ich habe aber relativ schnell gemerkt, dass ich den Schritt in den bezahlten Profifußball als Spieler nicht schaffen werde. Dadurch reifte der Wunsch in mir, Trainer zu werden. Ich habe 2015 meine Bachelorarbeit geschrieben und bin anschließend nach Hawaii zurückgekehrt, weil mir mein ehemaliger Trainer der Unimannschaft den Posten als Co-Trainer angeboten hat. Der Job war verknüpft mit einem Stipendium für ein Masterstudium. Ich habe kein klassisches Trainergehalt bekommen, aber mein Studium wurde mir bezahlt. 

Was hast du im Master studiert? 
Personalwesen (lacht). Das war der einzige Studiengang, bei dem ich das Gefühl hatte, dass er mir als Trainer helfen würde. Es ging um Teammanagement, Menschenmanagement und die Frage, nach welchen Kriterien man Leute einstellt und wie man am besten Teams zusammenbaut. Das hatte zumindest ein wenig mit Fußball und den Aufgaben als Trainer zu tun. 

Du hast vorhin schon gesagt, dass du dich schnell in Hawaii verliebt hast. Was hat dich an der Insel besonders fasziniert? 
Das wunderschöne Meer. Surfen kann ich zwar nicht so gut, aber die Strände sind unglaublich. Wenn ich fünf Minuten rausgeschwommen und dann unter Wasser getaucht bin, habe ich es knacken und rauschen gehört – und plötzlich schwammen 50 Delfine an mir vorbei. Ich habe auf Hawaii meine Frau kennengelernt und die Zeit dort sehr genossen.

Trotzdem bist du im Alter von 26 Jahren weitergezogen nach Miami. Wieso?
Ich habe während des Masterstudiums zwei Jahre auf Hawaii gelebt und während dieser Zeit gemerkt, wie viel Spaß mir der Trainerjob macht. Nur leider gibt es auf Hawaii nicht viele attraktive Jobmöglichkeiten für Fußballtrainer. Dann kam das Angebot von der Barry University aus Miami, also bin ich nach Florida gezogen. Ich war dort Co-Trainer der Unimannschaft. Das sportliche Niveau war gut. Unter den Studenten waren Jungs mit Regionalliga- und Drittligaerfahrung. Wir hatten auch Spieler aus der italienischen Serie C. Die Bedingungen waren echt gut, vergleichbar mit den Möglichkeiten bei Zweitligavereinen in Deutschland.

Und wie bist du dann zu Inter Miami gekommen, dessen Besitzer David Beckham ist?
Inter Miami hat 2019 seine Akademie eröffnet. Das Gelände lag auf meinem Heimweg, wo ich den Akademieleiter kennengelernt habe. Er sagte, ich solle einfach mal vorbeikommen, wenn ich unter der Woche die Zeit dafür finde. Irgendwann hat es sich dann so eingependelt, dass ich parallel zu meinem Trainerjob an der Uni dreimal pro Woche die U17 und U19 von Inter Miami als Co-Trainer betreut habe. Ich habe die einzelnen Entwicklungsschritte des Franchises miterlebt. Zuerst haben wir auf irgendeinem Kunstrasen irgendwo in Miami trainiert – und plötzlich hatten wir eine der besten Trainingsanlagen, die ich je gesehen habe.

Und wie häufig warst du in Miami mit David Beckham essen?
(lacht) Ich habe ihn nicht einmal gesehen, zweimal habe ich ihn verpasst. Ich war ausgerechnet an den beiden Tagen nicht beim Training, an denen er auf dem Gelände war. Mittlerweile ist er häufiger dort. Zu meiner Zeit war das nicht so oft der Fall.

Und im Sommer 2020 bist du dann aus der Metropole Miami nach Paderborn gezogen. Im ersten Moment dürfte dieser Schritt viele überraschen. Wieso hast du dich dazu entschieden? 
In den letzten drei Monaten meiner Zeit in Miami saß ich wegen der Corona-Pandemie fast nur zu Hause herum. Dann hat der SC Paderborn mir angeboten, Teil der Scoutingabteilung zu werden. Das war eine große Chance für mich, die ich unbedingt nutzen wollte und für die ich dem Verein bis heute sehr dankbar bin. Der Umzug nach Paderborn war aber auch verbunden mit einem Wechsel vom Trainingsplatz ins Büro. Es war für mich ein Test, ob mir diese Art des Arbeitens vielleicht mehr Spaß macht. Aber: Ich bin lieber auf dem Platz. Beim SC Paderborn habe ich dann Steffen Baumgart kennengelernt. Steffen hat relativ schnell gemerkt, dass ich ein Trainer und kein Büromensch bin. Ich wurde Teil von Steffens Team. Im Bereich der Performance Analyse habe ich mich vor allem mit den Laufdaten der Profis beschäftigt. So entstand der gute Draht zwischen Steffen und mir.

Und als klar war, dass Steffen zum FC wechselt, hat er dich gefragt, ob du Bock hättest, ihn als Co-Trainer zu begleiten?
Die Idee, auch nach Paderborn weiter zusammen zu arbeiten, gab es schon länger. Und ich bin froh, dass es Köln geworden ist. Meine Frau ist Amerikanerin und hat hier viele Möglichkeiten. Sie besucht eine Sprachschule, büffelt seit vergangener Woche jeden Tag vier Stunden Deutsch. Sie ist zum ersten Mal mit mir in Deutschland. Ich könnte aktuell nicht glücklicher sein, auch weil ich mich in der Stadt einhundert Prozent wohlfühle. 

Schildere deine ersten Eindrücke vom FC und von der Mannschaft gerne etwas genauer.
Die ersten Eindrücke sind super. Wir merken, dass der Kader sowohl in der Breite als auch in der Spitze gut aufgestellt ist. Die jungen Spieler fallen nicht ab – eher im Gegenteil. Sie überraschen positiv. Es ist immer gut, eine Mannschaft zu haben, in der die Mischung aus erfahrenen und jungen Spielern stimmt. Ich finde den Mix super, ich finde die Truppe super, ich finde die Charaktere super. Alle ziehen mit. Jeder versucht, das umzusetzen, was wir vorgeben. Ich freue mich jetzt im  Trainingslager, alle noch besser kennenzulernen, noch intensiver zu arbeiten und noch mehr ins Detail zu gehen, damit wir den Fußball spielen können, den wir spielen wollen. 

Welche Rolle nimmst du innerhalb des dreiköpfigen Co-Trainerstabs ein?
Wir sind alle auf Augenhöhe. Steffen und André geben allen das Gefühl, dass jede Meinung gehört wird. Mit Kevin McKenna haben wir jetzt einen super Mix. Mit André haben wir jemanden, der schon lange dabei ist und den Verein sehr gut kennt. Er ist jemand, der analytisch und sachlich an Dinge herangeht. Mit Kevin haben wir jemanden dazubekommen, der gemeinsam mit Steffen die Komponente Emotion verkörpert. Steffen und Kevin kennen sich schon seit Ewigkeiten. Ich persönlich sehe meine Rolle auch als Kommunikator. Ich tausche mich viel mit den Physios, Athletiktrainern und Analysten aus. Ich versuche, das Bindeglied zwischen allen zu sein. Menschlich passt das sehr gut. Wir sind alle ungefähr in meinem Alter. So haben wir im Trainerteam die Kapazitäten, um mit allen Spielern noch individueller arbeiten zu können. Das war unser Wunsch. Und es macht riesig Spaß – auf dem Platz und im Büro.

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PL.VereinPkt.
11. FC Köln0
21. FC Union Berlin0
31. FSV Mainz 050

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